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YouTube für Ärzte — eine Arztpraxis als isometrisches Diorama neben einer hell erleuchteten Bühne, auf der jemand anderes steht; ein leuchtender Pfad führt von der Praxis zur Bühne
Die Bühne steht längst. Sie ist nur besetzt · KI-Illustration
/ notizen vom court · gesundheitskommunikation

YouTube für Ärzte: 151 Millionen Aufrufe — und 3 % gehören einer Praxis.

marketing für ärzte august 2026 · deutschland 38 min lesezeit von heidar rudyi

Für diesen Text habe ich den deutschsprachigen Gesundheits-YouTube vermessen, statt darüber zu spekulieren: 20 Fachrichtungen, zwei unabhängige Suchdurchläufe, die YouTube Data API mit deutschem Regionalcode. Das Ergebnis in einem Satz: Die Aufmerksamkeit ist längst da — sie gehört nur jemand anderem. In den 150 meistgesehenen deutschsprachigen Medizinvideos meiner Stichprobe stecken 151 Millionen Aufrufe. Kanälen von Ärztinnen, Ärzten und medizinischen Einrichtungen gehören davon 10 %. Einer niedergelassenen Praxis gehören 3 %. Und die größte Einzelposition, 39 %, gehört einem Unternehmen, dessen Gründer kein Mediziner ist.

151 Mio.
aufrufe in der stichprobe
3 %
davon bei einer eigenen praxis
6 von 20
fachrichtungen ohne deutsches ergebnis
7.520
abonnenten — median in der deutschen suche
Zum Fachrichtungs-Check ↓
die kurzfassung

Der Platz ist nicht leer. Er ist falsch besetzt.

gemessen, nicht geschätzt

definition · die kurze antwort

YouTube für Ärzte heißt: medizinische Aufklärung als Video, veröffentlicht unter dem eigenen Namen und der eigenen Approbation. Nicht Werbung für eine Praxis, sondern die Antwort auf eine Frage, die Patientinnen und Patienten ohnehin stellen — nur eben, bevor sie in Ihrem Wartezimmer sitzen.

Erlaubt ist das in Deutschland ausdrücklich. Die Grenzen setzen das Heilmittelwerbegesetz, § 27 der Berufsordnung Ihrer Landesärztekammer und das UWG. Diese Grenzen sind enger als in der freien Wirtschaft und deutlich weiter, als die meisten Ärztinnen und Ärzte annehmen — der genaue Rahmen steht weiter unten.

Der Unterschied zu allem, was sonst unter Marketing für Ärzte, Praxismarketing oder Marketing für Arztpraxen verkauft wird: Hier geht es nicht um eine Betreuungspauschale für Kanäle. Es geht um die Frage, wer die medizinische Erklärung in diesem Land eigentlich ausspricht — und warum es derzeit fast nie die Person mit dem Facharzttitel ist.

01

Ihre Patienten haben die Antwort längst gefunden — nur nicht bei Ihnen

62 % recherchieren ihre Symptome vor dem Termin. 43 % haben deswegen schon einmal ganz auf den Arztbesuch verzichtet. Die Erklärung, die sie dabei finden, stammt fast nie aus einer Praxis.

Der Weg in Ihre Sprechstunde beginnt heute nicht mit dem Telefon. Er beginnt abends auf dem Sofa, wenn jemand «Rückenschmerzen wann gefährlich» eintippt, sich ein Video ansieht und danach entscheidet, ob er überhaupt einen Termin macht — und bei wem.

Dieses Video existiert bereits. Oft hat es Millionen Aufrufe. Es stammt nur fast nie von einer Ärztin oder einem Arzt mit eigener Praxis. Wer dort stattdessen spricht, habe ich für diesen Text gemessen statt geschätzt — und das Ergebnis ist der Grund weiterzulesen: von 151 Millionen Aufrufen in den meistgesehenen deutschsprachigen Medizinvideos gehen 3 % an eine niedergelassene Praxis. Der grösste Einzelanteil, 39 %, gehört einem Unternehmen, dessen Gründer kein Mediziner ist.

Das ist keine Geschichte über verpasste Reichweite. Es ist eine über Deutungshoheit: Die Erklärung Ihrer Erkrankung wird in diesem Land bereits ausgesprochen — nur eben von jemand anderem. Und weil Patienten diese Erklärung mit in Ihre Sprechstunde bringen, arbeiten Sie ohnehin schon mit ihr, ob Sie wollen oder nicht.

Was dieser Text beantwortet
Wem die Aufmerksamkeit heute gehört
Und warum ausgerechnet die Berufsgruppe mit der höchsten fachlichen Autorität davon 10 % hält.
Welches Feld in Ihrem Fach offen ist
In sechs von zwanzig Fachrichtungen liefert YouTube auf eine deutsche Praxissuche null Videos. Weiter unten können Sie Ihr eigenes Fach nachschlagen.
Was Sie dabei dürfen — und was nicht
Der rechtliche Rahmen aus HWG, Berufsordnung und UWG, mit den zwei Irrtümern, die fast überall falsch zitiert werden.
Wie aus einem Nachmittag ein Quartal wird
Die Produktionsrechnung, der Plan für Ihre ersten zwölf Wochen und die einzige Kennzahl, die darüber entscheidet, ob es weitergeht.

Wie genau gemessen wurde — Fachrichtungen, Suchdurchläufe, Schnittstellen, Stichprobengrössen — steht am Ende bei den Quellen. Dort gehört es hin, nicht an den Anfang.

02

Befund 1: Die Nachfrage ist längst da

In den 150 meistgesehenen deutschsprachigen Medizinvideos der Stichprobe stecken 151.001.887 Aufrufe. Verteilt auf nur 71 Kanäle.

Der erste Satz, den ich in fast jedem Gespräch mit einer Praxis höre, lautet sinngemäß: «Für so etwas gibt es bei uns doch gar kein Publikum.» Diese Annahme lässt sich prüfen, und sie hält nicht.

Die 150 meistgesehenen deutschsprachigen Videos aus meinen zwanzig Fachsuchen kommen zusammen auf 151.001.887 Aufrufe. Das sind Menschen, die auf Deutsch nach einer medizinischen Erklärung gesucht und sie sich angesehen haben. Bemerkenswert ist die Konzentration: Diese 150 Videos verteilen sich auf nur 71 Kanäle, und 92,1 % aller Aufrufe entfallen auf die obersten 26 davon.

Anders gesagt: Es gibt in Deutschland ein sehr großes Publikum für medizinische Erklärungen — und eine sehr kleine Zahl von Absendern, die es bedient. Das ist keine gesättigte Nische. Das ist ein Saal mit wenigen Rednern.

verteilung · wem gehören die 151 millionen aufrufe?
Ein Unternehmen, dessen Gründer kein Mediziner ist
39,4 %
Unterhaltung, Fitness, Marken, Medien, Krankenkassen
50,6 %
Kanäle von Ärzten und medizinischen Einrichtungen
10,0 %
Davon: Ärzte mit eigener niedergelassener Praxis
3,0 %
Basis: 150 meistgesehene deutschsprachige Videos aus 20 Fachsuchen, YouTube Data API, Stichtag 8. August 2026, zusammen 151.001.887 Aufrufe auf 71 Kanälen. Zuordnung anhand von Kanalbeschreibung und Impressum, Einzelfallprüfung der 26 größten Kanäle.

Diese vier Balken sind der eigentliche Inhalt dieses Textes. Alles Weitere erklärt nur, wie sie zustande kommen und was daraus folgt.

03

Befund 2: 39 % gehören einem einzigen Absender ohne Approbation

Ein Kanal hält 59,5 Millionen der 151 Millionen Aufrufe. Sein Gründer ist Wirtschaftsingenieur, nicht Arzt.

Die größte Einzelposition in der gesamten Stichprobe ist Liebscher & Bracht. 32 Videos dieses Kanals sind in den Top 150, zusammen 59.490.777 Aufrufe39,4 % des gesamten gemessenen Volumens. Der Kanal hat 2,24 Millionen Abonnenten.

Zur Einordnung gehören zwei Dinge, die ich nicht weglasse, weil sie unbequem sind. Erstens: Roland Liebscher-Bracht hat keine medizinische Ausbildung. Er ist Wirtschaftsingenieur mit Maschinenbau-Hintergrund und früherer Kampfkunsttrainer. Seine Frau, Dr. Petra Bracht, ist Fachärztin für Allgemeinmedizin. Zweitens: Die Methode ist fachlich umstritten — die Wissenschaftsredaktion des WDR hat sie in ihrem Format «Quarks Science Cops» 2022 und erneut 2025 auf mangelnde Evidenz geprüft; 2022 gab es eine Abmahnung, 2023 eine Vertragsstrafe.

Ich führe das nicht an, um einen Wettbewerber schlechtzumachen. Ich führe es an, weil es die Größenordnung des Problems zeigt: Der mit Abstand größte Erklärer von Rückenschmerzen im deutschsprachigen Raum ist kein Arzt. Nicht, weil er die Ärzteschaft verdrängt hätte — sondern weil dort, wo er steht, sonst niemand stand.

die spitze · wer die deutschen medizin-aufrufe hält
KanalAufrufe in der StichprobeAbonnentenWer ist das
Liebscher & Bracht59.490.7772.240.000Unternehmen · Gründer ohne Medizinstudium
Dima Kreis13.832.13087.700Unterhaltung
Ergotopia10.935.242468.000Unternehmen · Ergonomieprodukte
MissGeorgiaCavallo6.696.741587.000Unterhaltung · Sketch beim Frauenarzt
crackingchris6.125.29093.000Chiropraktik · «Knack»-Videos
Jonathan und Alina5.439.997637.000Unterhaltung · Paar-Content
AOK – Der Gesundheitskanal5.005.566480.000Krankenkasse
Sport-Thieme4.681.01381.300Unternehmen · Sportgeräte
DoktorWeigl3.576.9701.310.000✓ Arzt · angestellt in einer Klinik
Gynäko.Logisch2.118.026302.000✓✓ Arzt mit eigener Praxis, Kassel
Westdeutsches Prostatazentrum1.378.1798.750✓ medizinisches Zentrum
Dr. Boeddinghaus977.7565.180✓✓ eigene zahnärztliche Praxis
Die vier grün markierten Zeilen sind die einzigen medizinischen Absender unter den acht größten. Zwei davon — mit eigener Praxis — arbeiten mit 8.750 und 5.180 Abonnenten. Stichtag 8. August 2026.

Sehen Sie sich die letzten beiden Zeilen genau an. Eine zahnärztliche Praxis mit 5.180 Abonnenten steht in derselben Tabelle wie ein Kanal mit 2,24 Millionen. Das ist kein Trostpreis, das ist der Befund: In diesem Markt entscheidet nicht die Kanalgröße darüber, ob ein Video gesehen wird.

→ Sehen Sie sich an, wie ein niedergelassener Gynäkologe das löst
04

Befund 3: Der eigenen Praxis gehören 3 %

Von 151 Millionen Aufrufen gehen 4,47 Millionen an Kanäle niedergelassener Praxen. Deren Median liegt bei 8.750 Abonnenten.

Rechnet man alle Kanäle zusammen, hinter denen tatsächlich eine Ärztin, ein Arzt oder eine medizinische Einrichtung steht, kommt man auf 15.123.306 Aufrufe — 10,0 %. Grenzt man weiter ein auf Kanäle, hinter denen eine niedergelassene Praxis steht, also genau die Konstellation, um die es in diesem Text geht, bleiben 4.473.961 Aufrufe: 3,0 %.

Drei Prozent. Bei einer Berufsgruppe, die in Vertrauensrankings regelmäßig ganz oben steht, die die fachliche Autorität besitzt und die als einzige rechtlich in der Lage ist, eine Behandlung tatsächlich anzubieten.

Der Median der Abonnentenzahl dieser ärztlichen Kanäle liegt bei 8.750, die Spanne reicht von 5.180 bis 1.310.000. Das ist der eigentlich interessante Teil: Die Praxen, die es machen, sind keine Medienunternehmen. Es sind normale Praxen mit vierstelligen Abonnentenzahlen, die trotzdem in derselben Ergebnisliste auftauchen wie Kanäle mit Millionenreichweite.

1
Die Autorität liegt bei den Ärzten
Approbation, Facharzttitel, Haftung, tägliche Praxis am Patienten. Niemand sonst in diesem Markt hat das.
2
Die Aufmerksamkeit liegt woanders
97 % der gemessenen Aufrufe gehen an Absender ohne eigene Praxis — Unternehmen, Unterhaltung, Fitness, Kassen, Medien.
3
Dazwischen liegt kein Talent, sondern eine Entscheidung
Die Praxen in meiner Tabelle sind nicht besonders begabt vor der Kamera. Sie haben angefangen und nicht aufgehört. Das ist der ganze Unterschied.

An dieser Stelle wird meist eingewendet, Ärztinnen und Ärzte hätten dafür schlicht keine Zeit — und das stimmt. Es ist aber kein Argument gegen Video, sondern eines gegen eine bestimmte Produktionsweise. Wie man das mit einem Drehtag pro Quartal löst, habe ich für die Zahnmedizin ausführlich beschrieben; die Mechanik ist für jede Facharztgruppe dieselbe.

→ Ein Drehtag, ein Quartal Content: die Produktionsseite im Detail
05

Befund 4: In sechs Fachrichtungen findet YouTube auf Deutsch nichts

Bei praxisnahen deutschen Suchen liefert YouTube in 16 von 20 Fachrichtungen weniger als 20 Treffer — in sechs davon null. Auf Englisch: 50 von 50, in allen zwanzig.

Jede Suche in meinem Durchlauf fragte nach fünfzig Videos. Die amerikanische Vergleichsgruppe lieferte in allen zwanzig Fachrichtungen die vollen fünfzig. Kein einziges Mal ging YouTube dort der Stoff aus.

Auf Deutsch sieht das anders aus. Schon im ersten Durchlauf blieben sieben Fachrichtungen unter zwanzig Treffern: HNO lieferte vier Videos, Neurologie sechs, Sportmedizin sechs, ästhetische Medizin sieben, Schlafmedizin acht, Prävention acht, Kardiologie dreizehn.

Der zweite Durchlauf mit praxisnäheren Formulierungen — also genau so, wie ein Patient suchen würde, der eine Sprechstunde erklärt bekommen möchte — machte es deutlicher, nicht milder. Dort blieben 16 von 20 Fachrichtungen unter zwanzig Treffern, und sechs lieferten null: Kardiologie, Augenheilkunde, Pädiatrie, ästhetische Medizin, Schlafmedizin, Sportmedizin.

angebotslücke · gelieferte videos von 50 angefragten
FachrichtungDeutsch · Durchlauf ADeutsch · Durchlauf BEnglisch
HNO4150
Kardiologie13050
Augenheilkunde45050
Pädiatrie21050
Ästhetische Medizin7050
Schlafmedizin8050
Sportmedizin6050
Hausarzt47250
Gynäkologie50350
Psychiatrie41450
Ernährungsmedizin26550
Urologie50650
Neurologie6750
Apotheke50750
Orthopädie26850
Psychotherapie501450
Dermatologie462150
Physiotherapie503050
Zahnmedizin503150
Prävention84050
Gesamt geliefert6041791.000
Durchlauf A: Fachsuchen vom Typ «Kardiologe erklärt Bluthochdruck». Durchlauf B: praxisnahe Suchen vom Typ «Herzspezialist Facharzt Herzschwäche erklärt». Jeweils 50 Videos angefragt, regionCode=DE, relevanceLanguage=de, sortiert nach Aufrufen, 8. August 2026.
Zwanzig Regalfächer als isometrisches Diorama — die meisten stehen leer, sechs sind vollständig unbesetzt, nur wenige rechts sind gefüllt
Zwanzig Fachrichtungen, zwanzig Fächer. Sechs davon sind vollständig leer · KI-Illustration

Eine Zahl aus diesem Durchlauf ist mir besonders im Gedächtnis geblieben. Die Suche «Kinderärztin Praxis Sprechstunde erklärt» hat auf ganz YouTube 549 Ergebnisse insgesamt. Nicht 549.000. Für eine Frage, die vermutlich jedes Elternpaar in diesem Land mindestens einmal hat.

Man kann daraus nicht schließen, dass es zu diesen Themen gar keine deutschen Videos gibt — natürlich gibt es sie. Der Befund ist präziser und für eine Praxis relevanter: Wenn jemand auf Deutsch nach der Erklärung eines Facharztes sucht, hat YouTubes eigene Relevanzsortierung in der Hälfte der Fachrichtungen kaum etwas anzubieten. Genau dort entsteht Rang.

06

Befund 5: Jeder vierte Kanal in der deutschen Suche hat unter 1.000 Abonnenten

Median in der deutschen Medizinsuche: 7.520 Abonnenten. In der amerikanischen: 320.000. Faktor 43.

Das ist die praktisch verwertbarste Zahl dieses Textes. Ich habe alle Kanäle ausgewertet, die überhaupt in die Ergebnisliste gekommen sind — 279 in der deutschen, 445 in der amerikanischen Stichprobe.

eintrittsschwelle · wie groß muss ein kanal sein, um sichtbar zu werden?
Deutschland
7.520
Median Abonnenten
320.000
USA
DE · Kanäle unter 10.000 Abonnenten
54,5 %
US · Kanäle unter 10.000 Abonnenten
9,7 %
DE · Kanäle unter 1.000 Abonnenten
24,4 %
US · Kanäle unter 1.000 Abonnenten
1,3 %
Basis: 279 Kanäle aus der deutschen, 445 aus der amerikanischen Stichprobe, Abonnentenzahlen über channels.list am 8. August 2026. Medianes Kanalalter: DE 7,8 Jahre, US 9,7 Jahre.

In der deutschen Medizinsuche hat jeder vierte sichtbare Kanal weniger als 1.000 Abonnenten. In der amerikanischen ist es etwa jeder Siebenundsiebzigste. Wer im englischsprachigen Gesundheits-YouTube heute anfängt, tritt gegen Kanäle mit Millionenreichweite an. Wer auf Deutsch anfängt, tritt in vielen Fachrichtungen gegen niemanden an.

Das ist kein Versprechen auf Reichweite. Es ist eine Aussage über den Preis des Eintritts — und der ist in diesem Markt derzeit ungewöhnlich niedrig.

07

Ihre Fachrichtung, gemessen

Wählen Sie Ihr Fach. Angezeigt werden die tatsächlich gemessenen Werte aus beiden Durchläufen — keine Schätzung.

Das Werkzeug zeigt für jede der zwanzig Fachrichtungen, wie viele deutschsprachige Videos YouTube auf eine Suche nach fünfzig überhaupt geliefert hat, was die englischsprachige Vergleichsgruppe lieferte, und wie das einzuordnen ist.

Wenn bei Ihrem Fach eine niedrige Zahl steht, heißt das nicht, dass sich das Thema nicht lohnt. Es heißt das Gegenteil: Die Frage wird gestellt, und die Antwort auf Deutsch fehlt.

08

Wer sonst noch schweigt: die Institutionen

Die Bundesärztekammer vertritt rund 550.000 Ärztinnen und Ärzte. Ihr YouTube-Kanal hat 554 Abonnenten und 108 bis 154 Aufrufe pro Video.

Die Lücke, die ich oben gemessen habe, ist keine Eigenart einzelner Praxen. Sie zieht sich durch die gesamte institutionelle Ebene des deutschen Gesundheitswesens — und dort wird sie fast absurd.

institutionen · abonnenten am 8. august 2026
EinrichtungAbonnentenWas das ist
Gemeinsamer Bundesausschuss3höchstes Beschlussgremium der Selbstverwaltung
Bundesärztekammer (BAEKclips)554Vertretung von rund 550.000 Ärzten
Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung212Forschungsinstitut der KVen
Kassenärztliche Bundesvereinigung5.080Dachverband der KVen
Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit7.190früher BZgA, umbenannt am 13.02.2025
Charité Berlin7.520größte Universitätsklinik Europas
Robert Koch-Institut21.000Bundesinstitut für Infektionsschutz
Bundesministerium für Gesundheit46.700Ministerium
Die Techniker (TK)231.000Krankenkasse
DAK-Gesundheit232.000Krankenkasse
ARD GESUND505.000öffentlich-rechtlicher Rundfunk
AOK – Der Gesundheitskanal480.000Krankenkasse
Alle Zahlen direkt vom Kanal-Header auf youtube.com abgelesen, deutsche Locale, 8. August 2026. Achtung bei der Recherche: Der Kanal @AOKVIDEO mit 1,14 Mio. Abonnenten ist ein britischer Comedy-Kanal, nicht die AOK.

Die Bundesärztekammer veröffentlicht durchaus — 319 Videos liegen auf ihrem Kanal. Die aktuellen darunter, etwa zur Neujahrs-Pressekonferenz 2026 und zum 129. Deutschen Ärztetag, kommen auf 108 bis 154 Aufrufe. Das ist kein Vorwurf an eine Pressestelle. Es ist der Beleg dafür, dass fachliche Autorität allein im Videoformat keine Reichweite erzeugt.

Denn ein Teil des Systems hat es sehr wohl gelöst: die Krankenkassen. AOK, DAK und TK liegen zusammen bei knapp einer Million Abonnenten. Sie machen dort nichts anderes als Verbrauchermarketing — kurze Formate, Alltagsfragen, Gesichter, konsequent auf Shorts. Der Bruch verläuft also nicht zwischen «offiziell» und «Creator». Er verläuft zwischen Autoritätskommunikation und Verbraucherkommunikation — und Autoritätskommunikation verliert.

Das gleiche Muster in Österreich und der Schweiz
Österreich
Die ÖGK versichert rund 7,5 Millionen Menschen und hat 1.610 Abonnenten. Die deutsche AOK auf derselben Marktposition hat 480.000 — Faktor 300. Die Österreichische Ärztekammer: 653. Der bekannteste Medizinkommunikator des Landes, Siegfried Meryn: 799.
Schweiz
Das Universitätsspital Zürich kommt auf 29.200. Der Verband Zürcher Krankenhäuser — 35 Einrichtungen, 40.800 Beschäftigte — hat 7 Abonnenten. Der reichweitenstärkste «Schweizer Arzt» auf YouTube ist eine Dermatologin mit 257.000 Abonnenten, die auf Englisch über Hautpflege spricht.
→ Wie das aussieht, wenn es jemand ernsthaft baut: unsere Arbeiten
09

Befund 6: Das lange Video schlägt den Kurzclip — um den Faktor 14

Langes Video: Median-Ausreißerwert 2,92. Kurzclip: 0,21. Und 38,6 % der erfolgreichen langen Videos stammen von Kanälen unter 10.000 Abonnenten.

Dieser Befund stammt aus der dritten Erhebung — 6.100 Videos aus deutschsprachigen und 3.598 aus englischsprachigen Suchen über eine semantische Suchmaschine. Entscheidend ist dabei der Ausreißerwert: Er misst, um welchen Faktor ein Video die eigene Kanalnormale übertroffen hat. Ein Wert von 1,0 heißt «so gut wie üblich auf diesem Kanal».

format · zwei unabhängige stichproben, fast identisches ergebnis
KennzahlKurzclip DELanges Video DEKurzclip WeltLanges Video Welt
Ausreißerwert, Median0,212,920,212,90
Aufrufe je Abonnent, Median×0,53×4,99×0,55×4,97
Anteil von Kanälen unter 10.000 Abonnenten7,3 %38,6 %5,3 %38,5 %
Länge, Median33 s926 s34 s978 s
Abonnenten des Kanals, Median97.70018.70094.10016.850
Zwei getrennte Stichproben, unterschiedliche Suchsprachen, n = 6.100 und n = 3.598. Die Werte weichen um weniger als ein Prozent voneinander ab. Das ist kein Stichprobenzufall, sondern eine Struktureigenschaft.

Drei Sätze fassen das zusammen. Erstens: Ein langes Video übertrifft die eigene Kanalnormale rund vierzehnmal häufiger als ein Kurzclip — dessen Median liegt bei 0,21, also deutlich unter dem Kanaldurchschnitt. Zweitens: Ein langes Video erreicht rund neunmal mehr Menschen je Abonnent. Drittens, und das ist der Punkt für eine Praxis, die bei null startet: Bei den langen Videos stammen 38,6 % der Treffer von Kanälen unter 10.000 Abonnenten, bei Kurzclips nur 7,3 %.

Der Kurzclip hat dafür die höhere Decke — sein 90-Prozent-Wert liegt bei 807.000 Aufrufen gegenüber 376.000 beim langen Video. Kurz ist eine Lotterie mit hohem Preis, lang ist ein Handwerk mit planbarem Ergebnis. Wer eine Praxis führt und nicht Medien produziert, braucht das planbare Ergebnis.

Dazu passt, was die deutschen Zahlen aus der YouTube-API zeigen: Deutschsprachige Medizinvideos sind im Median 294 Sekunden lang, englischsprachige nur 130. Der Shorts-Anteil liegt hier bei 23,9 %, dort bei 42,2 %. Der deutsche Markt ist noch ein Langformatmarkt — und die deutsche Zuschauerschaft kommentiert relativ zur Aufrufzahl rund ein Fünftel häufiger als die englischsprachige.

titel · was in welchem format vorkommt (anteil der videos)
Emoji — im Kurzclip
31,0 %
Emoji — im langen Video
1,9 %
Zahl im Titel — im langen Video
30,9 %
Fachbezeichnung im Titel — im langen Video
18,2 %
Frage im Titel — im Kurzclip
20,9 %
Negative Rahmung (Fehler, nicht, gefährlich)
3,9 %
Basis: 6.100 Videos, Titelmuster automatisch ausgewertet. Die englischsprachige Stichprobe zeigt dasselbe Bild. Auffällig ist die letzte Zeile: Die negative Rahmung liegt in allen Schnitten unter vier Prozent — das am wenigsten genutzte Mittel im medizinischen YouTube.

Praktisch übersetzt: Ein langer Titel trägt eine Zahl, die Fachbezeichnung und eine strukturierende Klammer. Ein Kurzclip-Titel trägt eine Frage. Und wenn Sie etwas suchen, das kaum jemand nutzt: Es ist die ehrliche Korrektur eines verbreiteten Irrtums — «Das stimmt so nicht» ist im deutschen Medizin-YouTube ein fast unbesetztes Feld.

→ Wie aus einem Drehtag vier lange Videos werden
10

Die Nachfrageseite: Ihre Patienten recherchieren längst — nur nicht bei Ihnen

62 % googeln ihre Symptome vor dem Termin. 43 % haben schon einmal ganz auf den Arztbesuch verzichtet, weil sie im Netz fündig wurden.

Die bisherigen Zahlen beschreiben das Angebot. Die Nachfrageseite ist genauso gut vermessen — nur von anderen, und die Ergebnisse sind für eine Praxis unangenehm konkret.

recherche · was patienten tun, bevor und nachdem sie bei ihnen waren
Recherchieren Symptome vor dem Arztbesuch
62 %
Recherchieren nach dem Arztbesuch weiter
63 %
Haben deshalb schon ganz auf den Besuch verzichtet
43 %
Fragen inzwischen einen KI-Chatbot zu Symptomen
45 %
Bitkom Research, telefonisch, repräsentativ, Personen ab 16 Jahren: Recherche vor und nach dem Besuch sowie Verzicht — Erhebung 2023, n = 1.144. KI-Chatbot — Erhebung 2025, n = 1.145. Der Anteil derjenigen, die vorher recherchieren, ist von 53 % (2020) über 56 % (2021) auf 62 % gestiegen.

Ein Detail aus derselben Erhebung ist die eigentliche Einladung an jede Praxis. Auf die Frage, warum nach dem Termin weiterrecherchiert wird, antworten 15 %: weil sie die Erklärungen des Arztes nicht verstanden haben. 2020 war es noch fast jeder Dritte. Der Wert fällt — er ist aber immer noch zweistellig, und dahinter steht keine böse Absicht, sondern schlicht die Länge einer Sprechstunde.

Genau diese Lücke füllt ein Video, das einmal aufgenommen und danach beliebig oft angesehen wird. Und sie wird derzeit von anderen gefüllt: 45 % der Deutschen fragen inzwischen einen KI-Chatbot zu Gesundheitsthemen, 55 % der Nutzenden vertrauen dessen Antworten, und 16 % haben eine ärztliche Empfehlung schon einmal nicht befolgt, weil ein Chatbot etwas anderes sagte.

Zwei Zahlen, die man zusammen lesen muss
55 % lesen Bewertungen vor der Arztwahl
Bitkom 2023, n = 1.144. Für 57 % von ihnen sind diese Bewertungen bei der Arztwahl von grosser Bedeutung.
42 % misstrauen Arztbewertungen grundsätzlich
Dieselbe Erhebung, dieselbe Stichprobe. Der Bewertungsmarkt ist also in zwei Hälften gespalten — und genau das ist das Argument für ein eigenes Video: Dort spricht nicht ein anonymer Sternebalken, sondern Sie.

Dazu kommt der Kanal, über den der Kontakt tatsächlich zustande kommt. 64 % der Deutschen haben inzwischen mindestens einmal online einen Arzttermin vereinbart — 2023 waren es 36 %. Und ein Viertel dieser Terminbuchungen läuft nicht über eine Plattform, sondern über die Website der Praxis selbst. Die eigene Seite ist damit kein digitales Praxisschild mehr, sondern ein Buchungskanal.

Und schliesslich das Publikum: 72 % der Menschen ab 14 Jahren in Deutschland sehen zumindest gelegentlich Videos auf YouTube — mehr als auf jeder anderen Videoplattform. Im Schnitt sind das 23 Minuten pro Tag, bei den 14- bis 29-Jährigen 45 Minuten. Bewegtbild ist mit 196 Minuten täglich der grösste Posten im gesamten Medienbudget.

→ Schreiben Sie mir, welche Frage Sie am häufigsten beantworten müssen
11

Der zweite Grund: Sie suchen bald dringender Personal als Patienten

Eine ZFA-Stelle bleibt im Median 116 Tage offen. Und 44 % der Praxisinhaber sind über 60.

Die Bundesagentur für Arbeit stuft Medizinische Fachangestellte offiziell als Engpassberuf ein. Eine MFA-Stelle bleibt im Median 69 Tage unbesetzt, eine zahnmedizinische Fachangestelltenstelle 116 Tage. Zur Einordnung: Die Behörde selbst zieht die Grenze für die höchste Engpassstufe bei 80 Tagen.

Parallel dazu läuft ein Generationenwechsel, für den es kaum Nachfolger gibt. Nach der Ärztestatistik der Bundesärztekammer zum 31.12.2025 sind 44 % der Praxisinhaberinnen und Praxisinhaber über 60 Jahre alt und weiterhin berufstätig; 23,4 % der gesamten berufstätigen Ärzteschaft hat die 60 erreicht. Die Kammer schreibt dazu selbst, es sei zu befürchten, dass sich das Tempo der Praxisschliessungen beschleunigt, weil keine Nachfolge zur Verfügung steht.

Beides trifft dieselbe Stelle: Ein Kanal, auf dem zu sehen ist, wie bei Ihnen gearbeitet wird und wer dort arbeitet, wirkt auf zwei Zielgruppen gleichzeitig — auf Patienten und auf Bewerberinnen. Das Material entsteht ohnehin am selben Drehtag. Es ist derselbe Aufwand für zwei Probleme.

12

Ein Drehtag ist kein Video — er ist ein Quartal

Aus vier bis fünf Stunden vor der Kamera entstehen 54 eigenständige Inhalte. Weil jeder Kurzclip auf fünf Plätzen läuft, werden daraus 214 Veröffentlichungen.

Der häufigste Einwand ist nicht rechtlich und nicht inhaltlich, sondern zeitlich: «Ich habe keine Zeit, jede Woche zu drehen.» Richtig — und genau deshalb dreht man nicht jede Woche. Man dreht einmal pro Quartal und rechnet dann.

stufe 1 · ein drehtag, 54 originale
1 Drehtag
4–5 Stunden vor der Kamera
4Lange Videos, 5–15 Minutenyoutube
40Kurzclips, hochkantvertikal
10Fachbeiträge und Postslinkedin
1 Drehtag → 54 eigenständige Inhalte
Vier lange Videos zu vier Themen, die Ihre Patienten ohnehin fragen. Jedes enthält acht bis zwölf Momente, die für sich stehen — eine Frage, eine Antwort, ein Handgriff. Das sind die 40 Kurzclips. Die Fachbeiträge entstehen aus den Transkripten, ohne dass Sie noch einmal etwas sagen müssen.

Und jetzt der Teil, den fast alle übersehen: Das waren Originale, nicht Veröffentlichungen. Ein Kurzclip ist nicht ein Beitrag — er ist ein Beitrag pro Plattform.

stufe 2 · ein kurzclip, fünf plätze
1 Kurzclip
YouTube Shorts
Instagram Reels
TikTok
fFacebook
Praxiswebsite
40 Kurzclips × 5 Plätze + 4 lange Videos + 10 Beiträge = 214 Veröffentlichungen aus einem Tag
Derselbe Clip, fünfmal ausgespielt — mit angepasstem Format, Untertiteln und Vorschaubild, aber ohne neue Aufnahme. Für Sie ändert sich nichts: Sie waren an genau einem Tag vor der Kamera.

Über ein Quartal verteilt sind das etwa fünfzehn Beiträge pro Woche — eine Menge, die eine Person in der Praxis nebenbei einplant. Vier solche Tage im Jahr decken das ganze Jahr ab. Ihre Zeit vor der Kamera: rund vier Stunden pro Quartal.

Und hier greift der wichtigste Befund dieses Textes wieder ein. Das lange Video ist nicht das schwerfällige Ende der Kette, sondern ihr Rohstoff — und gleichzeitig das Format, das laut Messung die eigene Kanalnormale rund vierzehnmal häufiger übertrifft als ein Kurzclip und neunmal mehr Menschen je Abonnent erreicht. Sie drehen also genau das, was funktioniert, und bekommen die Kurzformate gratis dazu.

→ Was an so einem Tag Stunde für Stunde passiert
13

Hero, Hub, Help — und warum für eine Praxis nur eines davon zählt

Von den drei Content-Segmenten ist in der deutschen Medizin genau eines unbesetzt: Help. Und es ist zufällig das, das Termine bringt.

YouTube-Kanäle werden üblicherweise in drei Sorten Inhalt eingeteilt. Die Einteilung ist alt und unspektakulär, aber sie erklärt sehr genau, warum die meisten Praxisvideos nichts bewirken — und welches Feld tatsächlich offen ist.

1
Hero — das grosse Ereignis
Der Imagefilm, die Praxiseröffnung, das Jubiläum. Ein- bis zweimal im Jahr, teuer, breite Ansprache, kein Suchvolumen. Genau das, was Praxen üblicherweise als «unser Video» produzieren lassen — und was danach auf der Startseite verstaubt.
2
Hub — die Serie für die eigenen Leute
Wiederkehrende Formate für Menschen, die Sie schon kennen: Team, Praxisalltag, Behind-the-Scenes. Bindet bestehende Patienten und wirkt stark bei der Personalsuche. Aber es bringt kaum jemanden Neues herein, weil niemand danach sucht.
3
Help — die Antwort auf eine gestellte Frage
«Was passiert bei einer Wurzelbehandlung?», «Wann ist Rückenschmerz gefährlich?», «Wie läuft eine Katarakt-OP ab?». Das ist das Format, das gesucht wird, das jahrelang gefunden wird — und das laut Messung in der deutschen Medizin fast leer steht.

Alle Zahlen aus dem ersten Teil dieses Textes beschreiben genau dieses dritte Feld. Die sechs Fachrichtungen, in denen YouTube auf eine deutsche Praxissuche null Videos liefert, sind Help-Lücken. Die 62 % der Deutschen, die vor dem Termin ihre Symptome googeln, suchen Help. Und die 15 %, die nach dem Termin weiterrecherchieren, weil sie die Erklärung nicht verstanden haben, suchen ebenfalls Help.

zuordnung · welches segment was leistet
SegmentFormatWird gesucht?Was es bringtAnteil am Drehtag
HeroImagefilm, 2–3 Min.neinerster Eindruck auf der Website0–1×/Jahr
HubKurzclips, Team, AlltagkaumBindung, Personalsuchedie 40 Clips
HelpErklärvideo, 5–15 Min.ja, dauerhaftneue Patienten, Rang bei Google und YouTubedie 4 langen Videos
Die Zuordnung erklärt auch das Formatergebnis aus der Messung: Kurzclips sind Hub-Material und funktionieren, wenn bereits Reichweite da ist — deshalb stammen dort nur 7,3 % der Treffer von Kanälen unter 10.000 Abonnenten. Lange Erklärvideos sind Help-Material und funktionieren von null an — dort sind es 38,6 %.

Daraus folgt die Reihenfolge, mit der eine Praxis anfängt, und sie ist der Gegenentwurf zu dem, was üblicherweise verkauft wird: Erst Help, dann Hub, Hero irgendwann oder nie. Wer mit dem Imagefilm beginnt, hat das teuerste Format gekauft und das einzige gelassen, das gesucht wird.

→ Schreiben Sie mir Ihr Fach — ich sage Ihnen, welche Help-Lücke dort offen ist
14

Die ersten drei Videos, konkret

Kein Kanalkonzept, kein Redaktionsplan. Drei Erklärvideos zu den drei Fragen, die Sie ohnehin jede Woche beantworten.

Wenn Sie diesen Text bis hierher gelesen haben, ist die praktische Frage nicht mehr «ob», sondern «womit». Die Antwort steht in den Daten weiter oben, also formuliere ich sie als Anweisung.

1
Das Thema: die Frage, die Sie am häufigsten beantworten
Nicht die medizinisch interessanteste, sondern die häufigste. Führen Sie zwei Wochen lang eine Strichliste in der Sprechstunde — die drei obersten Fragen sind Ihre ersten drei Videos. Das sind zugleich die Fragen mit echtem Suchvolumen, weil sie überall dieselben sind.
2
Die Länge: fünf bis fünfzehn Minuten
Der Median der erfolgreichen deutschsprachigen Medizinvideos liegt bei 294 Sekunden, der Median erfolgreicher Langformate in der breiteren Stichprobe bei gut fünfzehn Minuten. Zwei Minuten sind zu kurz für eine Erklärung, vierzig Minuten zu lang für eine Frage.
3
Der Titel: Zahl, Fachbezeichnung, Klammer
In den erfolgreichen Langformaten enthalten 30,9 % eine Zahl, 30,8 % ein hervorgehobenes Wort, 30,0 % eine strukturierende Klammer und 18,2 % die Fachbezeichnung. Also nicht «Rückenschmerzen» sondern «3 Anzeichen, dass Rückenschmerz zum Orthopäden gehört | Dr. med. …». Emojis gehören in Kurzclips, nicht hierher — im Langformat kommen sie in 1,9 % der Titel vor.
4
Der Aufbau: Antwort zuerst
Die Antwort in den ersten dreissig Sekunden, danach die Begründung. Nicht umgekehrt. Das ist dieselbe Logik, nach der auch KI-Systeme zitieren — und es ist der einzige Teil, an dem sich ein Erklärvideo von einem Vortrag unterscheidet.
5
Danach: nichts Neues drehen
Aus diesen drei Videos entstehen dreissig Kurzclips, drei Fachbeiträge und das Material für Ihre Behandlungsseiten. Erst wenn diese Kette läuft, lohnt sich der nächste Drehtag.

Das ist der ganze Anfang. Keine Ausrüstungsliste, kein Kanalkonzept, kein Jahresplan — drei Fragen, ein Nachmittag, und ein Format, von dem die Messung sagt, dass es für einen kleinen Kanal das mit Abstand beste ist.

15

Der Plan für Ihr erstes Quartal

Zwölf Wochen, sechs Schritte, Ihre Arbeitszeit darin: ungefähr sechs Stunden. Alles andere passiert ohne Sie.

Damit aus dem Vorsatz kein weiteres Projekt wird, das im Sommer einschläft, hier der Ablauf mit Wochen und Zeitaufwand. Er ist bewusst so geschnitten, dass der Praxisbetrieb nicht angefasst wird.

1
Woche 1–2 · Die Strichliste
Sie und Ihr Team notieren zwei Wochen lang, welche Fragen in der Sprechstunde tatsächlich gestellt werden. Kein Aufwand ausser einem Blatt am Empfang. Am Ende stehen die drei häufigsten Fragen fest — das sind Ihre ersten drei Videos. Ihr Aufwand: null.
2
Woche 3 · Kanal und Rahmen
Kanal anlegen, Klarname und Facharztbezeichnung ins Profil, Impressum verlinken. Gleichzeitig die berufsrechtliche Prüfung: Sind die drei Themen reine Aufklärung, ohne Heilversprechen und ohne Produktnennung? Im Zweifel eine Mail an Ihre Landesärztekammer. Ihr Aufwand: eine Stunde.
3
Woche 4 · Der Drehtag
Ein Nachmittag, ein Raum, vier Themen. Die Fragen kommen aus dem Off, damit Sie erklären statt vorzutragen. Danach fassen Sie das Material nicht mehr an. Ihr Aufwand: vier Stunden.
4
Woche 5–6 · Schnitt und Freigabe
Schnitt, Untertitel, Vorschaubilder, Titel und Beschreibungen entstehen ohne Sie. Sie sehen alles einmal gebündelt durch und geben frei — nicht Video für Video. Ihr Aufwand: eine Stunde.
5
Woche 7–16 · Veröffentlichung im Takt
Ein langes Video alle zwei bis drei Wochen, dazwischen die Kurzclips. Die langen Videos wandern zusätzlich auf Ihre Behandlungsseiten und in den Wartezimmerbildschirm. Ihr Aufwand: null.
6
Woche 12 · Die einzige Zahl, die zählt
Nicht Aufrufe, nicht Abonnenten. Fragen Sie am Empfang: Wie viele Menschen haben beim Erstkontakt gesagt, sie hätten ein Video gesehen? Diese eine Zahl entscheidet, ob es einen zweiten Drehtag gibt. Ihr Aufwand: eine Frage.

Zwölf Wochen, sechs Stunden Ihrer Zeit, drei Erklärvideos plus dreissig Kurzclips — und am Ende eine überprüfbare Antwort statt eines Gefühls. Wenn die Zahl in Woche zwölf bei null liegt, war es ein Nachmittag. Wenn sie bei drei liegt, hat sich der Nachmittag bezahlt gemacht.

16

Der rechtliche Rahmen ist enger als in der Wirtschaft — und weiter, als Sie denken

Das Verbot, im Kittel zu werben, ist seit 2012 gestrichen. Das Vorher-Nachher-Verbot betrifft ästhetische Eingriffe ohne medizinische Indikation, nicht jede Behandlung.

Der häufigste Grund, aus dem eine Praxis gar nicht erst anfängt, ist die Sorge vor einer Abmahnung. Diese Sorge ist berechtigt — sie ist nur meistens auf die falschen Dinge gerichtet.

Drei Regelwerke greifen gleichzeitig: das Heilmittelwerbegesetz (HWG), die Berufsordnung Ihrer Landesärztekammer in Anlehnung an § 27 der Musterberufsordnung, und das UWG. Wichtig dabei: Die Musterberufsordnung selbst ist nur eine Vorlage — verbindlich ist ausschließlich die Berufsordnung Ihrer eigenen Kammer, und die unterscheidet sich zwischen den Ländern.

Zwei verbreitete Irrtümer lassen sich klar auflösen. Erstens: Das Verbot, in Berufskleidung zu werben, stand früher in § 11 Abs. 1 Nr. 4 HWG — es wurde mit dem Zweiten Gesetz zur Änderung arzneimittelrechtlicher Vorschriften zum 26. Oktober 2012 gestrichen. Ein Video im Kittel oder in Praxiskleidung ist heute unproblematisch.

Zweitens, und hier zitiert fast jeder die falsche Norm: Das Vorher-Nachher-Verbot steht nicht in § 11 Abs. 1 Nr. 5 HWG. Die alte, fotografische Fassung dieser Nummer galt nur bis zum 26. Oktober 2012. Seither steht die Regel in § 11 Abs. 1 Satz 3 Nr. 1 HWG und betrifft ausschließlich die in § 1 Abs. 1 Nr. 2 Buchstabe c genannten Eingriffe — also operative plastisch-chirurgische Eingriffe ohne medizinische Notwendigkeit. Das OLG Celle hat in seinem Urteil 13 U 160/12 entschieden, dass zahnmedizinische Vorher-Nachher-Darstellungen davon nicht erfasst sind, wenn die Behandlung medizinisch indiziert war.

Die Grenze ist allerdings weiter, als der Wortlaut vermuten lässt. Der BGH hat am 31. Juli 2025 entschieden (I ZR 170/24), dass schon das Einbringen von Hyaluron mit einer Kanüle zur Veränderung von Nase oder Kinn ein operativer plastisch-chirurgischer Eingriff in diesem Sinne ist — Vorher-Nachher-Werbung dafür ist also unzulässig. Und das OLG Koblenz hat 2024 (9 U 1097/23) klargestellt, dass das Verbot auch dann greift, wenn statt echter Fotos eine gezeichnete Figur das Ergebnis zeigt. Wer ästhetische Leistungen anbietet, sollte diesen Bildtyp im Video also ganz meiden.

Was im Video geht
Was nicht geht
Die Linie, an der sich fast alles entscheidet
Erlaubt: sachliche Information
Erklären, wie eine Erkrankung entsteht. Beschreiben, wie ein Eingriff abläuft und welche Risiken bestehen. Zeigen, wie Ihre Räume aussehen und wer im Team arbeitet. Vorstellen, welche Verfahren Sie anbieten und über welche Qualifikation Sie verfügen. Einordnen, was an einem verbreiteten Ratschlag nicht stimmt.
Verboten: anpreisend, irreführend, heilversprechend
Erfolg zusichern oder nahelegen. Superlative über die eigene Leistung. Angstwerbung. Und — dieser Punkt wird am häufigsten übersehen — Patientendankschreiben und Empfehlungen Dritter im Zusammenhang mit einer Behandlung sind nach § 11 HWG beschränkt. Das klassische Video-Testimonial einer Patientin ist deshalb der riskanteste Baustein überhaupt.

Daraus folgt eine praktische Faustregel, die den größten Teil des Risikos entfernt: Erklären Sie die Krankheit, nicht Ihre Überlegenheit. Ein Video, das eine Diagnose verständlich macht, ist erlaubte Information. Ein Video, das erklärt, warum Ihre Praxis die beste der Stadt ist, ist der Grenzfall.

Kommt eine erkennbare Person ins Bild — Patientin, Angehöriger, Mitarbeiter —, gilt zusätzlich das Recht am eigenen Bild nach § 22 KunstUrhG und die DSGVO, bei Patienten außerdem die ärztliche Schweigepflicht nach § 203 StGB. Praktisch heißt das: schriftliche Einwilligung vor der Aufnahme, mit klarer Beschreibung von Zweck und Kanälen, jederzeit widerrufbar. Bei Minderjährigen die Einwilligung aller Sorgeberechtigten. Der einfachste Weg, dieses Feld ganz zu umgehen: drehen Sie ohne Patienten. Für das, was in diesem Text beschrieben wird, brauchen Sie keine.

Kein Rechtsrat. Dieser Abschnitt fasst zusammen, was ich bei der Recherche in den Gesetzestexten und in veröffentlichten Urteilen gefunden habe. Verbindlich ist die Berufsordnung Ihrer Landesärztekammer; im Zweifel fragen Sie dort oder bei einer auf Medizinrecht spezialisierten Kanzlei nach. Beides kostet weniger als eine Abmahnung.

→ Unsicher, ob Ihr Thema durchgeht? Schreiben Sie mir, ich sehe es mir an
17

Die Ärztekammern verbieten das nicht — sie zeichnen es inzwischen aus

Nordrhein und Westfalen-Lippe vergeben einen Medfluencer-Preis für ärztliche Videobeiträge auf YouTube Shorts, Instagram und TikTok — unter der Schirmherrschaft des NRW-Gesundheitsministers.

Wer glaubt, das Berufsrecht sei gegen ärztliche Videos, sollte sich ansehen, was die Kammern selbst tun. Die Ärztekammern Nordrhein und Westfalen-Lippe schreiben einen Preis genau dafür aus, und die Kriterien sind faktisch eine offizielle Checkliste, wie ein ärztliches Video aussehen soll.

1
Keine Werbung, kein Sponsoring
Der Beitrag enthält keine Werbung für bestimmte Behandlungsmethoden oder Medikamente und kein Sponsoring. Heilversprechen sind ausgeschlossen.
2
Keine Einzelfallberatung — auch nicht in den Kommentaren
Im Beitrag und in den Kommentaren dürfen keine individuellen medizinischen Ratschläge gegeben, keine Diagnosen gestellt und keine Therapien empfohlen werden.
3
Klarname und Qualifikation im Profil
Im Profil stehen möglichst der Klarname und die berufliche Qualifikation — etwa «Approbierte Ärztin» oder die Facharztbezeichnung. Und: der Beitrag verzichtet auf polarisierende oder reißerische Aussagen zur Generierung von Reichweite.

Dieselbe Linie zieht die Bundesärztekammer in ihrer Handreichung «Ärztinnen und Ärzte in sozialen Medien». Dort steht die für Video entscheidende Grenze in einem einzigen Satz: Sicherer als die Beratung im Einzelfall ist die Beantwortung allgemeiner Gesundheitsfragen — «beispielsweise „Was ist ein Karpaltunnelsyndrom?" oder „Ist hoher Blutdruck schädlich?"». Genau das ist das Format, um das es in diesem Text geht. Individuelle Antworten unter dem Video sind der Punkt, an dem es kippt.

Die Handreichung enthält noch zwei praktische Hinweise, die selten irgendwo stehen. Erstens: Sie sind für die Inhalte verantwortlich, die grundsätzlich unter Ihrer Kontrolle stehen — nicht für Postings in fremden Foren. Zweitens, und das ist eine echte Entscheidung: «Im Zweifel sollten Sie die Kommentaroption deaktivieren.» Und eine negative Bewertung dürfen Sie nicht bearbeiten, um sie positiv zu machen.

Wo es tatsächlich schiefgeht
Der Fall, der gerade verhandelt wird
Ein Assistenzarzt mit über 400.000 Followern bewarb auf Instagram Kosmetik und Batterien. Das Landgericht Karlsruhe untersagte ihm im November 2025 (14 O 19/25 KfH), unter seiner ärztlichen Berufsbezeichnung fremde Produkte zu bewerben; die Berufsordnung wurde dabei als Marktverhaltensregel angewandt. Das Verfahren läuft in der Berufung weiter.
Warum das für Sie relevant ist
Nicht das Video war das Problem, sondern die Produktwerbung darin. § 27 Abs. 3 Satz 4 der Berufsordnung verbietet Werbung für eigene oder fremde gewerbliche Tätigkeiten im Zusammenhang mit der ärztlichen Tätigkeit — vollständig. Ein Kanal, der erklärt, ist unproblematisch. Ein Kanal, der verkauft, ist es nicht.
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YouTube bevorzugt Sie strukturell — es weiß nur noch nichts von Ihnen

Für Medizin fährt YouTube eine eigene Rankingstrategie und hebt Qualitätsquellen an. Und es gibt ein Abzeichen für approbierte Fachkräfte, das es in Deutschland gibt.

YouTube sagt in seiner eigenen Dokumentation, dass es für «Nachrichten, persönliche Finanzen sowie medizinische und wissenschaftliche Informationen» gesonderte Rankingstrategien anwendet und dabei Qualitätsquellen anhebt. Das ist keine Vermutung von Marketingberatern, das steht auf der Seite «How YouTube Works».

Konkret wird das über YouTube Health. Es gibt drei Elemente: eine Regalfläche mit Gesundheitsquellen über den normalen Suchtreffern, eine Infoleiste mit Kontext zur Quelle unter dem Video, und ein Erste-Hilfe-Regal. Deutschland gehört zu den Ländern, in denen diese Funktionen verfügbar sind — YouTube nennt in der deutschen Hilfe ausdrücklich Deutschland an erster Stelle.

1
Wer sich bewerben kann
Die deutsche Liste nennt: Arzt, Krankenpfleger beziehungsweise staatlich geprüfte Pflegefachkraft, Psychologe oder vergleichbarer Beruf, Paar- und Familientherapeut, klinischer Sozialarbeiter. Kliniken, akademische medizinische Einrichtungen und Behörden sind vorab geprüft und müssen sich gar nicht erst bewerben.
2
Was der Kanal erfüllen muss
Mehr als 1.500 Stunden gültige öffentliche Wiedergabezeit in den letzten zwölf Monaten oder 1,5 Millionen gültige Aufrufe öffentlicher Shorts in den letzten 90 Tagen. Der Kanal muss überwiegend Gesundheitsthemen behandeln, darf keine aktiven Verwarnungen haben und muss den Monetarisierungsrichtlinien entsprechen — auch dann, wenn er gar nicht monetarisiert wird.
3
Wie lange es dauert
Die Lizenzprüfung übernimmt ein Dritter, LegitScript. Die Entscheidung über eine Bewerbung dauert laut YouTube ein bis zwei Monate, das Erscheinen der Funktionen am Kanal weitere zwei bis drei Monate. Die Berechtigung wird regelmäßig neu bewertet.

Zur Größenordnung: 1.500 Stunden Wiedergabezeit sind für einen Kanal, der ernsthaft betrieben wird, kein exotisches Ziel — es ist deutlich weniger als die 4.000 Stunden für das Partnerprogramm. Der öffentlich-rechtliche Kanal ARD GESUND schreibt in seiner Kanalbeschreibung, er habe als erster öffentlich-rechtlicher Sender weltweit das Health Channel Label erhalten. Für eine deutsche Praxis ist dieses Feld praktisch unbesetzt.

19

Warum Google einen Arzt strukturell bevorzugt — schwarz auf weiß

Googles eigene Bewertungsrichtlinien trennen bei Gesundheitsthemen zwischen Erfahrung und Expertise: Manches muss von Fachleuten kommen.

Google veröffentlicht die Richtlinien, nach denen menschliche Prüfer Suchergebnisse bewerten — Stand 11. September 2025, 182 Seiten. Eine Einschränkung vorweg, die ich mitliefere, weil sie oft unterschlagen wird: Diese Bewertungen beeinflussen kein Ranking direkt. Sie beschreiben den Qualitätsmaßstab, an dem Google sein eigenes System misst — nicht eine Liste von Rankingfaktoren.

Gesundheit fällt dort unter YMYL — «Your Money or Your Life» —, also unter Themen mit hohem Schadenspotenzial, die laut Richtlinie «die genaueste Prüfung» erfordern. Und in Abschnitt 3.4.1 steht der Satz, der für jede Praxis relevant ist: Seiten mit persönlicher Erfahrung können bei YMYL-Themen hohe Qualität haben — «In contrast, some types of YMYL information and advice must come from experts.»

Google illustriert das mit einer Tabelle. Beim Thema Schlaf in der Schwangerschaft ist die Erfahrung anderer Schwangerer legitim, wenn es um Kissen und Schlafposition geht — welche Schlafmittel in der Schwangerschaft sicher sind, muss von Fachleuten kommen. Beim Thema Leberkrebs darf ein Forum beschreiben, wie sich die Behandlung anfühlt — Behandlungsoptionen und Überlebensprognosen müssen von Fachleuten stammen.

die formel

Die Geschichte der Patientin kann jeder erzählen. Das Protokoll nur Sie. Genau in dieser Trennlinie liegt der Vorteil, den eine Praxis gegenüber jedem Gesundheits-Creator hat — und er ist in Googles eigenen Richtlinien niedergeschrieben.

Dazu passen zwei weitere Stellen aus demselben Dokument. Ein Artikel zu einem medizinischen Thema ohne erkennbare Expertise des Autors und ohne Belege wird ausdrücklich als niedrige Qualität eingestuft. Und veralteter medizinischer Inhalt wird nicht nur als nutzlos, sondern als «potentially dangerous» bezeichnet. Wer als Ärztin regelmäßig aktualisiert, arbeitet damit strukturell in die Richtung, in die dieses Bewertungssystem ohnehin zeigt.

20

Geld: die ehrliche Antwort ist unbefriedigend

YouTube veröffentlicht keine offiziellen Erlöszahlen für die Gesundheitsnische. Wer Ihnen eine nennt, hat sie aus einem Marketingblog.

Ich habe für diesen Text gezielt nach belastbaren Zahlen zu Erlösen pro tausend Aufrufe im Gesundheitsbereich gesucht. Ergebnis: Es gibt keine. YouTube veröffentlicht keine Branchenwerte. Es gibt keine Studie mit offengelegter Methode. Und es gibt keine überprüfbaren Analytics-Screenshots aus der Nische, die einer Prüfung standhalten. Alle Zahlen, die man beim Suchen findet — die berühmten «15 bis 40 Euro» —, stammen aus Blogs von Tool-Anbietern, die selbst schreiben, es handle sich um redaktionelle Richtwerte.

Was offiziell feststeht, ist die Mechanik: Die Schwelle für das Partnerprogramm liegt bei 1.000 Abonnenten und 4.000 Stunden Wiedergabezeit in zwölf Monaten oder 10 Millionen Shorts-Aufrufen in 90 Tagen. Es gibt eine niedrigere Stufe ab 500 Abonnenten, die Mitgliedschaften und Trinkgeldfunktionen freischaltet, aber keine Werbung. Der Anteil des Kanals liegt bei 55 % bei langen Videos und 45 % bei Shorts.

Für eine Praxis ist das ohnehin die falsche Rechnung. Ein Video, das einen einzigen Patienten in die Sprechstunde bringt, hat sich in der Regel bezahlt gemacht — unabhängig davon, ob der Kanal jemals einen Cent Werbeerlös sieht. Und es gibt einen zweiten Effekt, über den zu selten gesprochen wird: Praxen konkurrieren derzeit härter um medizinische Fachangestellte als um Patienten. Ein Kanal, auf dem Ihr Team zu sehen ist und der zeigt, wie bei Ihnen gearbeitet wird, ist ein Rekrutierungsinstrument, das rund um die Uhr läuft.

Eine Einschränkung gehört noch dazu: Bestimmte medizinische Themen sind offiziell von Werbung ausgeschlossen — darunter das Bestreiten anerkannter Krankheitsbilder, wissenschaftlich unbelegte Heilmethoden und Impfdesinformation. Seit Januar 2026 ist nicht-grafische, sachliche Behandlung kontroverser Themen dagegen wieder voll monetarisierbar; ausgenommen bleiben Kindesmissbrauch und Essstörungen.

21

Was ich nicht beweisen konnte — und deshalb nicht behaupte

Meine erste These war falsch. Ein Kontrollversuch hat sie gekippt, bevor dieser Text erschienen ist. Hier steht, wie.

Als ich mit dieser Recherche anfing, hatte ich eine sehr griffige These im Kopf: Der deutschsprachige Gesundheits-YouTube ist praktisch leer. Die erste Messung schien das zu bestätigen. Über eine semantische Suchmaschine hatte ich 6.100 Videos aus deutschsprachigen Fachsuchen gesammelt, und je nach Messverfahren trugen nur 1,2 % bis 4,9 % davon einen deutschsprachigen Titel. Eine hervorragende Schlagzeile.

Bevor ich sie benutzt habe, wollte ich wissen, ob ich damit wirklich den Markt messe — oder nur den Sprachschwerpunkt dieser Suchmaschine. Also habe ich einen Kontrollversuch gemacht: dieselbe Methode, dieselben deutschen Suchmuster, aber in zehn Bereichen außerhalb der Medizin, in denen deutschsprachiges Video ganz sicher existiert — Auto, Steuern, Handwerk, Kochen, Fußball, Recht, Immobilien, IT, Garten, Versicherungen. 1.838 Videos.

kontrollversuch · anteil deutschsprachiger titel
Medizin, deutsche Suchen (n = 6.100)
1,2–4,9 %
Nicht-Medizin, deutsche Suchen (n = 1.838)
0,9–3,1 %
Auto, Steuern, Handwerk, Kochen, Fußball, Recht, Immobilien, IT, Garten, Versicherungen — durchweg Bereiche mit starkem deutschsprachigem Angebot. Der Anteil ist dort genauso niedrig, teilweise niedriger.

Damit war die These tot. In den Kontrollbereichen lag der deutschsprachige Anteil bei 0,9 bis 3,1 % — also auf demselben Niveau wie in der Medizin, eher darunter. Ich hatte nicht die Leere des deutschen Medizin-YouTube gemessen, sondern den Sprachschwerpunkt meines Messgeräts. Die Zahl «2,5 % deutschsprachig» sagt über den deutschen Gesundheitsmarkt exakt nichts aus.

Deshalb steht sie in diesem Text nicht als Befund, sondern in diesem Kapitel. Und deshalb habe ich anschließend die gesamte Erhebung mit der YouTube Data API und deutschem Regionalcode wiederholt — mit dem Instrument, das diese Schwäche nicht hat und dessen Treffgenauigkeit ich oben nachgewiesen habe. Alle Zahlen zum deutschen Markt in diesem Text stammen aus dieser zweiten Erhebung.

Drei weitere Dinge, die ich bewusst nicht behaupte
Erlöse pro tausend Aufrufe in der Gesundheitsnische
Es existiert keine offizielle und keine methodisch offengelegte Quelle. Ich nenne deshalb keine Zahl — auch nicht als «Schätzung».
Der Aufrufunterschied zwischen Deutsch und Englisch
Deutsche Medizinvideos liegen im Median bei 32.718 Aufrufen, englische bei 1.284.896. Das ist kein Beleg dafür, dass der deutsche Markt schlechter ist — eine englische Suche zieht ein weltweites Publikum. Die Zahl beschreibt eine niedrigere Decke, nicht eine schwächere Nachfrage.
Wie viele deutsche Praxen bereits Video machen
Dazu habe ich keine belastbare Erhebung gefunden. Wer Ihnen einen Prozentwert nennt, sollte die Quelle mitliefern können.

Ich schreibe das so ausführlich auf, weil im Marketing für Ärzte ungewöhnlich viel mit Zahlen hantiert wird, deren Herkunft niemand nennt. Eine Zahl ohne Stichprobe, ohne Jahr und ohne Methode ist keine Information. Sie ist Dekoration.

Ein minimaler Drehaufbau in einem Praxisraum als isometrisches Diorama — eine Kamera auf dem Stativ vor einem Stuhl, zwei Lichter, ein Mikrofon, niemand im Bild
Der ganze Aufbau: eine Kamera, zwei Lichter, ein Mikrofon — und die Frage, die Sie ohnehin täglich beantworten · KI-Illustration
Wenn Sie wissen wollen, wie es für Ihr Fach aussieht

Schreiben Sie mir Ihr Fachgebiet und Ihren Ort. Sie bekommen von mir drei konkrete Themenvorschläge für Ihre ersten drei Videos, eine Liste dessen, was auf Deutsch dazu bereits existiert, und die Einschätzung, wie voll dieses Feld tatsächlich ist. Antwort am selben Tag — und wenn ich finde, dass sich das für Sie nicht lohnt, schreibe ich Ihnen genau das.

Drei Themen für mein Fach anfordern →
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Wer das schreibt

Sieben Jahre YouTube, über 200 betreute Kanäle, zusammen rund 16 Milliarden Aufrufe. Ich messe diesen Markt nicht nur — ich produziere darin.

Ich heisse Heidar Rudyi und arbeite seit sieben Jahren mit YouTube-Kanälen. In dieser Zeit sind über 200 Kanäle durch meine Hände gegangen; zusammen kommen sie auf etwa 16 Milliarden Aufrufe. Das ist kein Wachstumsversprechen, sondern der Grund, warum ich die Zahlen in diesem Text überhaupt einordnen kann: Ich habe gesehen, was in dieser Grössenordnung funktioniert und was nur so aussieht.

portfolio · überprüfbare zahlen, keine versprechen
Jahre in der YouTube-Produktion
7
Betreute Kanäle und Kunden
200+
Aufrufe im gesamten Portfolio
16 Mrd.
Produzierte KI-Videos
1.500+
Aufrufe allein daraus
500 Mio.
Portfoliozahlen über alle betreuten Kanäle hinweg, Stand August 2026. Einzelne Kanäle nenne ich nicht — die meisten Verträge lassen das nicht zu. Was öffentlich dokumentiert ist, steht in den verlinkten Fällen.
1
KI-Videoproduktion im Massstab
Über 1.500 produzierte Videos mit rund 500 Millionen Aufrufen — die Werkstatt, aus der die Produktionslogik in diesem Text stammt. Den Fall ansehen
2
Videoagentur für den deutschen Markt
Produktion für den DE-Markt, Kommunikation auf Deutsch, Kunde EOS Erleben. Den Fall ansehen
3
Eine Online-Akademie von null aufgebaut
Marke, Plattform und Content für eine Kampfsport-Akademie im DACH-Raum — von der Idee bis zum laufenden Betrieb, selbst gebaut. Den Fall ansehen
4
9,2 Mio. Aufrufe mit 0 € Werbebudget
Ein Kanal, der ausschliesslich über Inhalt gewachsen ist — der Gegenbeweis zur Annahme, Reichweite müsse gekauft werden. Den Fall ansehen

Warum ich das hier überhaupt aufschreibe: Dieser Text besteht zum grossen Teil aus eigenen Messungen, und Messungen kann jeder behaupten. Die Zahlen oben sind der Teil, den Sie nachsehen können — in den verlinkten Fällen stehen Umfang, Zeitraum und Ergebnis. Alle Fälle im Überblick

Und weil es zur Ehrlichkeit gehört: Ich bin kein Arzt und gebe keine medizinischen Empfehlungen. Was ich beitrage, ist die Produktionsseite — welches Format gefunden wird, wie aus einem Nachmittag ein Quartal wird und woran man erkennt, dass ein Kanal Zeit verbrennt. Das Medizinische bleibt bei Ihnen; das ist auch der Grund, warum es funktioniert.

Wenn dieses System nichts für Sie ist
Sie suchen schnelle Termine für nächste Woche
Dann ist bezahlte Werbung ehrlicher. Ein Erklärvideo braucht Wochen bis Monate, bis es gefunden wird — dafür wird es danach jahrelang gefunden. Wer den Kalender für Oktober füllen will, sollte nicht im August anfangen zu drehen.
Sie wollen nicht vor die Kamera
Dann lassen Sie es. Der ganze Vorteil dieses Formats liegt darin, dass die Person mit der Approbation spricht. Ein Sprecher aus dem Off oder ein animierter Avatar hat diesen Vorteil nicht — und in der Medizin wird synthetischer Inhalt von YouTube zusätzlich sichtbar gekennzeichnet.
Ihre Praxis ist voll und bleibt es
Dann bleibt genau ein Argument übrig, und es ist nicht das schwächste: Personal. Eine ZFA-Stelle steht im Median 116 Tage offen. Wenn Sie Patienten nicht brauchen, aber Bewerbungen — es ist derselbe Drehtag.
häufige fragen

Was Ärztinnen und Ärzte mich wirklich fragen

antwort zuerst, begründung danach

Ist YouTube für Ärzte in Deutschland überhaupt erlaubt?

Ja. Sachliche, berufsbezogene Information über die eigene Tätigkeit ist ausdrücklich erlaubt — die Grenze verläuft bei anpreisender, irreführender oder heilversprechender Darstellung. Maßgeblich sind das Heilmittelwerbegesetz, das UWG und die Berufsordnung Ihrer Landesärztekammer in Anlehnung an § 27 der Musterberufsordnung. Verbindlich ist immer Ihre Landeskammer, nicht die Musterberufsordnung selbst.

Darf ich im Kittel vor der Kamera stehen?

Ja. Das entsprechende Verbot in § 11 Abs. 1 Nr. 4 HWG wurde 2012 gestrichen. Berufskleidung im Video ist heute unproblematisch.

Sind Vorher-Nachher-Bilder verboten?

Nicht generell — und die meistzitierte Fundstelle dafür ist falsch. Die Regel steht seit dem 26. Oktober 2012 nicht mehr in § 11 Abs. 1 Nr. 5 HWG, sondern in § 11 Abs. 1 Satz 3 Nr. 1 HWG, und sie betrifft nur die in § 1 Abs. 1 Nr. 2 Buchstabe c genannten Eingriffe: operative plastisch-chirurgische Eingriffe ohne medizinische Notwendigkeit. Das OLG Celle hat in 13 U 160/12 entschieden, dass zahnmedizinische Vorher-Nachher-Darstellungen bei medizinisch indizierter Behandlung nicht darunterfallen. Der BGH hat den Begriff 2025 allerdings weit ausgelegt (I ZR 170/24): schon eine Hyaluron-Unterspritzung an Nase oder Kinn zählt dazu, und laut OLG Koblenz (9 U 1097/23) greift das Verbot auch bei gezeichneten Vorher-Nachher-Figuren.

Was ist der riskanteste Baustein in einem Praxisvideo?

Das Patiententestimonial. Empfehlungen und Dankschreiben Dritter im Zusammenhang mit einer Behandlung sind nach § 11 HWG beschränkt. Ein Video, in dem eine Patientin Ihre Behandlung lobt, ist rechtlich deutlich heikler als ein Video, in dem Sie eine Erkrankung erklären — und wirkt in der Regel auch schlechter.

Brauche ich Patienten vor der Kamera?

Nein, und es ist der einfachste Weg, das gesamte datenschutzrechtliche Feld zu umgehen. Für erklärende Videos brauchen Sie sich selbst, Ihre Räume und Ihr Wissen. Sobald eine erkennbare Person zu sehen ist, greifen Recht am eigenen Bild nach § 22 KunstUrhG, DSGVO und bei Patienten zusätzlich die Schweigepflicht nach § 203 StGB — dann brauchen Sie eine schriftliche, widerrufbare Einwilligung.

Wie viele Abonnenten brauche ich, damit das etwas bringt?

Weniger, als Sie denken. In meiner Messung der deutschen Medizinsuche hat jeder vierte sichtbare Kanal unter 1.000 Abonnenten, der Median liegt bei 7.520. Zwei der Praxen in meiner Auswertung sind mit 8.750 und 5.180 Abonnenten unter den meistgesehenen deutschsprachigen Medizinvideos vertreten. Zum Vergleich: In der amerikanischen Stichprobe liegt der Median bei 320.000.

Soll ich mit Shorts oder mit langen Videos anfangen?

Mit langen Videos. In zwei unabhängigen Stichproben mit zusammen fast 10.000 Videos übertrifft ein langes Video die eigene Kanalnormale rund vierzehnmal häufiger als ein Kurzclip und erreicht neunmal mehr Menschen je Abonnent. Vor allem aber: 38,6 % der erfolgreichen langen Videos stammen von Kanälen unter 10.000 Abonnenten — bei Kurzclips sind es 7,3 %. Kurzformate sind ein Verstärker für vorhandene Reichweite, kein Einstieg.

Wie lang sollte ein Video sein?

Die erfolgreichen deutschsprachigen Medizinvideos liegen im Median bei 294 Sekunden, knapp fünf Minuten. In der breiteren Stichprobe liegt der Median erfolgreicher Langformate bei 926 Sekunden, also gut fünfzehn Minuten. Beides funktioniert; zwei Minuten und vierzig Minuten funktionieren beide schlechter.

Wie viel Zeit kostet mich das pro Monat?

Wenn Sie einzeln produzieren, zu viel — das ist der Grund, warum die meisten nach sechs Wochen aufhören. Sinnvoll ist gebündelte Produktion: ein Drehtag pro Quartal, an dem alles entsteht, danach fassen Sie das Material nicht mehr an. Die Rechnung dahinter habe ich für die Zahnmedizin im Detail aufgeschrieben; die Mechanik ist für jede Fachgruppe dieselbe.

Lohnt sich das finanziell über Werbeerlöse?

Darauf sollten Sie nicht rechnen. YouTube veröffentlicht keine offiziellen Erlöszahlen für die Gesundheitsnische, und es gibt keine überprüfbare Quelle dafür — wer Ihnen eine Zahl nennt, hat sie aus einem Toolanbieter-Blog. Die Rechnung, die aufgeht, ist eine andere: ein Video, das einen Patienten in die Sprechstunde bringt, oder eine Bewerbung auf eine offene MFA-Stelle.

Was ist YouTube Health und komme ich da rein?

Ein Programm, das approbierte Fachkräfte mit einer Quellenkennzeichnung und einer eigenen Regalfläche in der Suche versieht. Deutschland ist dabei. Voraussetzung sind mehr als 1.500 Stunden Wiedergabezeit in zwölf Monaten oder 1,5 Millionen Shorts-Aufrufe in 90 Tagen, ein überwiegend gesundheitsbezogener Kanal und keine aktiven Verwarnungen. Die Lizenzprüfung übernimmt LegitScript; von der Bewerbung bis zur sichtbaren Funktion vergehen laut YouTube drei bis fünf Monate.

Bevorzugt YouTube medizinische Inhalte von Ärzten?

YouTube gibt an, für medizinische und wissenschaftliche Informationen gesonderte Rankingstrategien anzuwenden und Qualitätsquellen anzuheben; die Reputation eines Kanals fließt ein. Eine Garantie ist das nicht, aber es bedeutet, dass eine nachweisbare Qualifikation in dieser Nische anders wirkt als in Unterhaltungsthemen.

Was hat das mit Google zu tun?

Gesundheit fällt in Googles Bewertungsrichtlinien unter YMYL und wird am strengsten geprüft. In Abschnitt 3.4.1 wird ausdrücklich unterschieden: Erfahrungsberichte können bei Gesundheitsthemen hohe Qualität haben, bestimmte Auskünfte müssen jedoch von Fachleuten kommen — Behandlungsoptionen und Prognosen etwa. Wichtig: Diese Bewertungen beeinflussen kein Ranking direkt, sie beschreiben Googles Qualitätsmaßstab.

Muss ich KI-generierte Inhalte kennzeichnen?

Ja, sobald synthetisches Material realistisch wirkt. Und für Gesundheit gilt eine Verschärfung: Es ist eine der vier Kategorien — neben Nachrichten, Wahlen und Finanzen —, in denen YouTube die Kennzeichnung nicht in der Beschreibung versteckt, sondern deutlich sichtbar am Player anzeigt. Nicht kennzeichnungspflichtig sind Schönheitsfilter, Farbkorrektur, Untertitel oder KI als reines Arbeitsmittel beim Schreiben.

Ist die Nische nicht längst voll?

In sechs von zwanzig Fachrichtungen hat YouTube auf eine praxisnahe deutsche Suche null Videos geliefert — Kardiologie, Augenheilkunde, Pädiatrie, ästhetische Medizin, Schlafmedizin und Sportmedizin. In sechzehn von zwanzig kamen weniger als zwanzig Treffer auf eine Anfrage nach fünfzig. Die englischsprachige Vergleichsgruppe lieferte in allen zwanzig die vollen fünfzig.

Warum funktionieren die Kanäle der Ärztekammern nicht?

Weil dort Autoritätskommunikation stattfindet und keine Verbraucherkommunikation. Der Kanal der Bundesärztekammer hat 554 Abonnenten und aktuelle Videos mit 108 bis 154 Aufrufen. Die Krankenkassen haben dieselbe Ausgangslage und dasselbe Thema — und liegen mit AOK, DAK und TK zusammen bei knapp einer Million Abonnenten, weil sie Alltagsfragen beantworten statt Beschlüsse zu verkünden.

Was funktioniert in Titeln?

Bei langen Videos: eine Zahl (30,9 % der Fälle), die Fachbezeichnung (18,2 %) und eine strukturierende Klammer. Bei Kurzclips: eine Frage (20,9 %) und ein Emoji (31,0 %) — im Langformat kommt ein Emoji dagegen nur in 1,9 % der Titel vor. Am wenigsten genutzt ist über alle Formate hinweg die negative Rahmung mit unter 4 %: die sachliche Korrektur eines verbreiteten Irrtums ist im deutschen Medizin-YouTube ein fast leeres Feld.

Instagram oder TikTok statt YouTube?

Bei jüngeren deutschen Medizin-Creatorn liegt das Gewicht tatsächlich woanders — es gibt Kinderärzte mit 205.000 Instagram-Followern und 9.500 YouTube-Abonnenten. Der Unterschied: Ein YouTube-Video wird jahrelang gesucht und gefunden, ein Reel hat seine Reichweite nach 72 Stunden hinter sich. Für eine Praxis, die dauerhaft auffindbar sein will, ist das der entscheidende Punkt.

Woher stammen die Zahlen in diesem Artikel?

Aus drei eigenen Erhebungen vom 8. August 2026: zwei Durchläufen über die YouTube Data API v3 mit deutschem und amerikanischem Regionalcode über zwanzig Fachrichtungen, und einer semantischen Erhebung mit 6.100 deutschsprachigen und 3.598 englischsprachigen Videos. Abonnentenzahlen von Institutionen habe ich direkt am Kanal abgelesen. Was ich nicht belegen konnte, steht im Kapitel «Was ich nicht beweisen konnte».

Darf ich Werbung oder Produkte in meinen Videos zeigen?

Nein. § 27 Abs. 3 Satz 4 der Berufsordnung verbietet Werbung für eigene oder fremde gewerbliche Tätigkeiten oder Produkte im Zusammenhang mit der ärztlichen Tätigkeit — ohne Ausnahme. Das Landgericht Karlsruhe hat im November 2025 einem Assistenzarzt mit über 400.000 Followern untersagt, unter seiner Berufsbezeichnung Kosmetik und Batterien zu bewerben (14 O 19/25 KfH, Berufung läuft). Erklären ist erlaubt, verkaufen nicht.

Soll ich die Kommentare unter meinen Videos zulassen?

Die Bundesärztekammer rät in ihrer Handreichung zu sozialen Medien ausdrücklich: im Zweifel die Kommentarfunktion deaktivieren. Der Grund ist nicht der Ton, sondern die Haftung — eine individuelle Antwort auf eine Krankheitsschilderung im Kommentar ist Fernbehandlung, und Sie sind für die Inhalte verantwortlich, die unter Ihrer Kontrolle stehen. Der Medfluencer-Preis der Ärztekammern Nordrhein und Westfalen-Lippe zieht dieselbe Linie: keine Diagnosen und keine Therapieempfehlungen, auch nicht in den Kommentaren.

Was wäre der erste Schritt?

Ein einziges Video von fünf bis fünfzehn Minuten zu der Frage, die Sie in der Sprechstunde am häufigsten beantworten. Nicht ein Kanalkonzept, nicht eine Strategie, nicht ein Redaktionsplan für ein Jahr. Die Praxen in meiner Auswertung haben genau so angefangen — und die Messung sagt, dass genau dieses Format die besten Chancen für einen kleinen Kanal hat.

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Was ich gemessen habe — und womit

20 Fachrichtungen, zwei unabhängige Formulierungssätze, YouTube Data API mit regionCode=DE. Sprache über das Feld defaultAudioLanguage bestimmt, nicht geraten.

Ich stelle die Methode an den Anfang, nicht ans Ende. Wer Zahlen über einen Markt behauptet, schuldet die Beschreibung, wie sie entstanden sind — sonst ist es Meinung mit Nachkommastellen.

Grundlage sind zwei getrennte Erhebungen am 8. August 2026. Für die erste habe ich zwanzig medizinische Fachrichtungen definiert — von der Zahnmedizin über Kardiologie, Dermatologie und Psychotherapie bis zur Schlafmedizin — und für jede eine deutschsprachige Fachsuche formuliert. Diese Suchen liefen über die YouTube Data API v3 mit regionCode=DE und relevanceLanguage=de, sortiert nach Aufrufen. Dieselben zwanzig Fachrichtungen liefen anschließend auf Englisch mit regionCode=US als Vergleichsgruppe.

Jedes gefundene Video habe ich danach einzeln über videos.list angereichert — Aufrufe, Likes, Kommentare, Länge — und jeden Kanal über channels.list. Entscheidend dabei: Die Sprache eines Videos habe ich nicht am Titel erraten, sondern aus dem Feld defaultAudioLanguage gelesen, das YouTube selbst führt.

prüfung · misst das instrument überhaupt das richtige?
Deutsche Suche → tatsächlich deutschsprachige Videos
89,2 %
US-Suche → tatsächlich englischsprachige Videos
87,8 %
Der Regionalcode funktioniert: Unter deutscher Relevanz sind fast neun von zehn Treffern wirklich deutschsprachig. Das Instrument misst den Markt und nicht den eigenen Suchindex. Basis: 604 Videos in der deutschen und 1.000 in der amerikanischen Stichprobe, Sprache laut defaultAudioLanguage.

Für die zweite Erhebung habe ich alle zwanzig Fachrichtungen ein zweites Mal gesucht — mit vollständig anderen Formulierungen. Statt «Kardiologe erklärt Bluthochdruck» stand dort «Herzspezialist Facharzt Herzschwäche erklärt». Der Grund ist einfach: Wenn ein auffälliges Ergebnis nur an einer bestimmten Wortwahl hängt, ist es kein Befund, sondern ein Zufall. Wenn es sich mit anderen Worten wiederholt, ist es einer.

Parallel dazu lief eine dritte, unabhängige Erhebung über eine semantische YouTube-Suchmaschine mit 6.100 Videos aus deutschsprachigen und 3.598 aus englischsprachigen Suchen. Aus dieser Quelle stammt der Befund zum Verhältnis von langen Videos und Kurzclips weiter unten. Sie hat allerdings einen Fehler, den ich gefunden habe und der weiter unten ein eigenes Kapitel bekommt — samt der Zahl, die ich deshalb nicht behaupte.

Was diese Zahlen sind — und was nicht
Es sind
Messungen an einer definierten Stichprobe: 20 Fachrichtungen, zwei Formulierungssätze, Stichtag 8. August 2026, sortiert nach Aufrufen. Jede Zahl in diesem Text lässt sich mit derselben Abfrage nachvollziehen.
Es sind nicht
eine Vollerhebung des deutschen Gesundheits-YouTube. Wer andere Fachrichtungen, andere Formulierungen oder eine andere Sortierung wählt, bekommt andere Zahlen. Die Größenordnungen haben sich über zwei unabhängige Durchläufe gehalten — die zweite Nachkommastelle sollte niemand für bare Münze nehmen.
→ Der Abschnitt, in dem ich beschreibe, was ich nicht beweisen konnte
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Quellen und Methode

Eigene Erhebungen vom 8. August 2026, dazu ausschließlich Primärquellen. Jede Zahl im Text lässt sich hier nachschlagen.

Eigene Erhebungen. Drei getrennte Messungen, alle am 8. August 2026. Erstens: YouTube Data API v3, search.list mit regionCode=DE und relevanceLanguage=de beziehungsweise US/en, order=viewCount, 50 Treffer je Anfrage, zwanzig Fachrichtungen, zwei unabhängige Formulierungssätze; anschließende Anreicherung über videos.list und channels.list; Sprachbestimmung über defaultAudioLanguage. Zweitens: semantische Videosuche über die Algrow-API, 6.100 deutschsprachige und 3.598 englischsprachige Treffer nach Deduplizierung, plus 1.838 Treffer im Kontrollversuch außerhalb der Medizin. Drittens: Abonnentenzahlen von Institutionen und Creatorn direkt vom Kanal-Header auf youtube.com, deutsche Locale.

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