Das Erklärvideo erklärt gut. Es erklärt nur fast niemandem etwas.
eigene erhebung, stichtag 15. august 2026, methode offengelegt
Ein Erklärvideo macht eine Sache verständlich: ein Produkt, eine Dienstleistung, einen Vorgang. Vom Imagefilm unterscheidet es sich dadurch, dass es nicht das Unternehmen darstellt, sondern etwas erklärt; von der Werbung dadurch, dass es nicht auffordert. Der mittlere deutsche Erklärfilm dauert 2:11 Minuten, und Agenturen listen dafür Preise zwischen 2.000 und 10.000 Euro.
Was so ein Film einbringt, rechnet in den Angeboten niemand vor. Die Antwort dieser Erhebung: 468 Aufrufe in der Mitte. 60,5 Prozent aller Filme bleiben unter tausend, 27,3 Prozent unter hundert. Wie schief die Verteilung ist, steht in Abschnitt 02.
Der schärfste Befund betrifft die Regel, nach der diese Filme gebaut werden. Zwischen 60 und 90 Sekunden liegt der niedrigste Median des gesamten Korpus: 185 Aufrufe. Filme über fünf Minuten kommen auf 2.223. Genau die Länge, die als Standard verkauft wird, ist die schwächste — warum das so ist und was es nicht heißt, steht in Abschnitt 03.
Wie gezählt wurde
Über Erklärvideos gibt es keine amtliche Statistik. Es gibt Agenturseiten mit Versprechen, Preiskonfiguratoren und Ratgeber, die einander abschreiben. Also habe ich selbst gezählt — mit einer Regel, die absichtlich stumpf ist, damit sie sich niemand zurechtlegen kann, ich eingeschlossen.
Aufgenommen wurde jeder öffentliche YouTube-Film, der sich in Titel oder Beschreibung selbst als Erklärvideo, Erklärfilm, Produktvideo, Produktfilm, Animationsvideo, Schulungsvideo, Anwendungs-, Montage- oder Funktionsvideo bezeichnet — oder der die Formeln benutzt, mit denen deutsche Firmen erklären: „einfach erklärt“, „so funktioniert“, „in 90 Sekunden erklärt“. Nicht ich entscheide, was ein Erklärvideo ist. Das entscheidet der, der es hochgeladen hat.
Gesucht wurde über 312 deutschsprachige Suchanfragen: die Begriffe allein, kombiniert mit rund 95 Branchen und 20 Regionen. Das ergab 12.947 verschiedene Videos.
Herausgenommen habe ich in zwei Durchgängen. Zuerst alles, was sich nicht selbst so nennt; alles ohne deutschen Text, weil YouTube englische Treffer in deutsche Suchen mischt; Ratgeber, Preislisten, Showreels und Agentur-Eigenwerbung; Sender, Behörden, Schulen und Hochschulen; ausgesprochene Bildungskanäle; und alles unter 15 Sekunden oder über 30 Minuten. Übrig blieben 2.222 Filme.
Der zweite Durchgang war erst möglich, nachdem zu jedem Film Abonnentenzahl und Datum vorlagen — und er war nötig. In den Daten saßen große US-Kanäle, deren Titel YouTube ins Deutsche übersetzt: Wissenschaftskanäle, Dokumentarformate, Erklär-YouTuber mit Millionenreichweite. Die haben mit einem deutschen Mittelständler nichts gemeinsam, außer dass beide etwas erklären. Deshalb sind alle Kanäle ab 20.000 Abonnenten raus — 338 Filme — plus 22 weitere Bildungsfilme. Übrig: 1.862 Filme auf 1.084 Kanälen.
Was diese Zahlen nicht sagen
Vier Einschränkungen, die ich lieber selbst nenne, als sie mir vorhalten zu lassen. Erstens: Gemessen ist nur YouTube. Beim Erklärvideo ist das die ernsteste Einschränkung überhaupt — viele dieser Filme sind gar nicht für YouTube gemacht. Sie laufen auf der Produktseite, im Angebot, im Vertriebsgespräch, im Support, am Messestand. Diese Wirkung steht hier nicht drin.
Zweitens: Ein Film, der nie öffentlich hochgeladen wurde, ist für diese Erhebung unsichtbar. Die stillsten Fälle fehlen also — das macht die Zahlen eher zu gut als zu schlecht. Drittens: Aufrufe sind keine Kunden. Ein Film mit 40 Aufrufen, von denen einer der Einkäufer war, der danach bestellt hat, hat sich gerechnet. Viertens: Was hier gemessen wird, ist freiwillige Aufmerksamkeit: Menschen, die suchen, klicken, zusehen, ohne dass jemand ihnen den Film schickt.
Was die Zahlen sehr wohl sagen: in welcher Größenordnung diese freiwillige Aufmerksamkeit stattfindet. Und diese Größenordnung ist ein bis zwei Nullen kleiner als die Erwartung, mit der solche Filme bestellt werden.
Einzelne Unternehmen nenne ich in diesem Text nicht beim Namen, wenn ihre Zahlen schwach sind. Die Betriebe haben nichts falsch gemacht — sie haben gekauft, was ihnen verkauft wurde. Alle Auswertungen sind deshalb Aggregate; namentlich kommt nur vor, wer gut dasteht.
468
Der Mittelwert über alle 1.862 Filme liegt bei 18.576 Aufrufen. Diese Zahl steht gern in Angeboten, und sie ist irreführend. Der Median — der Wert, bei dem die eine Hälfte darüber und die andere darunter liegt — beträgt 468. Der Durchschnitt ist also das Vierzigfache der Mitte, weil einige wenige sehr große Filme ihn nach oben ziehen.
Wie wenige, zeigt die Konzentration: Das oberste Prozent der Filme hält 39,6 Prozent aller Aufrufe. Die oberen zehn Prozent halten 87 Prozent. Für die anderen neunzig Prozent bleiben dreizehn. Das ist keine Verteilung mit einem typischen Fall in der Mitte — es sind zwei getrennte Welten, und die allermeisten bestellten Filme landen in der stillen.
Nimmt man nur die Filme, die auf dem Kanal des Unternehmens selbst liegen, steigt die Mitte auf 617. Beide Zahlen stehen hier nebeneinander, damit sich niemand die günstigere aussuchen muss: Die Mitte dieses Marktes liegt zwischen 468 und 617 Aufrufen.
Dazu die Umgebung, in der diese Filme leben. Der mediane Kanal im Korpus hat 380 Abonnenten; 31,8 Prozent der Filme liegen auf Kanälen mit weniger als hundert. Der mediane Film ist 4,6 Jahre alt, fast die Hälfte ist älter als fünf Jahre. Pro Jahr online sammelt er im Median 117 Aufrufe. Das ist die eigentliche Nachricht dieses Abschnitts: Es handelt sich nicht um Kampagnen, die kurz laufen und dann enden. Es sind Denkmäler, die stehen bleiben und langsam Staub ansetzen.
Die 90-Sekunden-Regel überlebt die Daten nicht
Es gibt in dieser Branche einen Satz, den fast jede Agenturseite trägt: Ein Erklärvideo soll 60 bis 90 Sekunden dauern, weil danach die Aufmerksamkeit abfällt. Der Satz klingt vernünftig, er wird seit zehn Jahren weitergereicht, und ich habe ihn selbst geglaubt.
In 1.862 deutschen Erklärfilmen sieht es so aus:
60 bis 90 Sekunden ist der Tiefpunkt. Über fünf Minuten liegt der Median zwölfmal höher. Und das ist keine kleine Randgruppe: 302 Filme im Ein-bis-anderthalb-Minuten-Fenster gegen 312 über fünf Minuten — beide Klassen sind ähnlich groß.
Bevor jemand daraus die falsche Regel macht
Länge verursacht keine Aufrufe. Wer fünf Minuten mit einem Verfahren, einer Maschine oder einer Montage füllen kann, hat schlicht mehr zu zeigen — und Filme mit etwas zu zeigen werden gesucht. Die Länge ist hier ein Anzeichen, keine Ursache. Ein auf sieben Minuten gestrecktes Nichts bleibt ein Nichts, nur langsamer.
Trotzdem kippt der Befund die Beratungspraxis. Denn die 90-Sekunden-Regel wird nicht als Beobachtung verkauft, sondern als Vorgabe — und diese Vorgabe zwingt dazu, genau das wegzuschneiden, weswegen jemand den Film überhaupt anschauen würde. Was übrig bleibt, ist die Kurzfassung einer Broschüre. Die belastbare Regel lautet nicht „kurz“, sondern: so lang, wie es etwas zu zeigen gibt, das man sonst nicht zu sehen bekommt.
Ehrlichkeit an dieser Stelle: In der ungereinigten Rohfassung war der Abstand noch größer — 208 gegen 14.588. Diesen Abstand trugen aber große US-Kanäle mit deutsch übersetzten Titeln. Nach dem Ausschluss aller Kanäle ab 20.000 Abonnenten bleibt der Befund bestehen, nur kleiner. Hier steht die konservative Fassung, nicht die spektakuläre.
Ein Sonderfall sind Filme, die die Länge im Titel versprechen — „in 90 Sekunden erklärt“. Davon gibt es im Korpus 59, und 38 davon (64,4 Prozent) halten ihr Versprechen tatsächlich ein. Ihr Median liegt bei 1.296 Aufrufen, deutlich über dem Korpus. Das spricht nicht für die Kürze, sondern für die Ansage: Ein Titel, der sagt, worauf man sich einlässt, wird eher geklickt als einer, der es nicht sagt.
Wer den Film hochlädt, entscheidet mehr als die Kamera
Beim Erheben fällt eine Trennung auf, die niemand plant: Ein Teil der Filme liegt auf dem Kanal des Unternehmens, über das sie handeln. Ein anderer Teil liegt ausschließlich auf dem Kanal der Agentur oder Produktionsfirma, die sie gemacht hat — als Referenz im Portfolio.
Faktor 3,2 — bei identischen Produktionskosten. Ein Viertel aller gemessenen Filme, 477 Stück, liegt ausschließlich beim Dienstleister. Dafür wurde bezahlt, und die Reichweite holt niemand ab.
Es gibt gute Gründe, warum das passiert: Der Betrieb hat keinen YouTube-Kanal, niemand kennt die Zugangsdaten, die Marketingabteilung besteht aus einer halben Stelle. Nur ändert der Grund nichts am Ergebnis. Der Kanal Ihres Dienstleisters ist ein Portfolio, kein Vertriebsweg — die Menschen, die dort landen, suchen nach einer Agentur, nicht nach Ihrem Produkt.
Dieser Befund ist mir nicht neu. In der Recruiting-Erhebung vom vergangenen Jahr lag derselbe Unterschied bei Faktor 4,7. Zwei unabhängig erhobene Korpora, zwei verschiedene Gattungen, dieselbe Richtung. Das ist die billigste Verbesserung, die es in diesem ganzen Text gibt: eine Datei hochladen, an der richtigen Stelle.
Animation gegen echten Produktfilm
Das Erklärvideo hat zwei Familien. Die eine zeichnet: 2D- und 3D-Animation, Whiteboard, Legetrick, Motion Design. Die andere filmt: das Produkt, die Anwendung, die Montage, die Maschine bei der Arbeit. Die Branche verkauft überwiegend die erste — sie ist planbarer, ortsunabhängig und lässt sich in Paketen anbieten.
Der gefilmte Produktfilm erreicht das Doppelte der Animation — und ist in der Regel günstiger. Für eine Animation mit eigenem Illustrationsstil rufen deutsche Agenturen 6.000 bis 10.000 Euro auf; ein sauber gefilmter Anwendungsfilm liegt darunter, weil das Motiv schon existiert. Die Zahlenlage lautet also: mehr bezahlen für weniger Aufmerksamkeit.
Das ist kein Argument gegen Animation. Es ist ein Argument dafür, sie dort einzusetzen, wo sie das einzige Mittel ist: wenn es nichts zu filmen gibt. Genau das zeigen die Daten, wenn man den Korpus nach der Art des Geschäfts teilt. Bei Software, Banken, Versicherungen und Beratung — Dinge, die man nicht anfassen kann — liegt die Animation mit 290 zu 161 Aufrufen vorn. Bei Maschinenbau, Metall, Fensterbau und Bau dreht sich das Verhältnis um: dort gewinnt der gefilmte Produktfilm mit 301 zu 231. Die Gruppen sind klein (22 bis 105 Filme) — als Faustregel taugt der Befund, als Beweis nicht.
Umgekehrt gilt: Wenn Ihre Maschine existiert, Ihr Handgriff existiert, Ihr Material existiert — dann ist jede Zeichnung davon eine Verschlechterung. Sie kostet mehr, sie sieht aus wie die von allen anderen, und sie nimmt dem Zuschauer genau das weg, weswegen er geklickt hat.
Was ein Zuschauer kostet
Deutsche Agenturen listen für Erklärvideos zwei Korridore: einfache oder KI-gestützte Produktionen ab etwa 2.000 Euro, professionelle Filme mit eigenem Illustrationsstil oder echtem Dreh 5.000 bis 10.000 Euro. Das sind gelistete Preise von Agenturseiten, keine amtliche Statistik — ich gebe sie als das wieder, was sie sind.
Interessant wird es, wenn man diese Preise durch die gemessene Reichweite teilt.
Zwölf Euro achtzig für einen Menschen, der sich zwei Minuten lang ansieht, wie Ihr Produkt funktioniert. Das ist nicht automatisch zu teuer — es kommt darauf an, wer dieser Mensch ist. Für einen Einkäufer, der danach anfragt, sind zwölf Euro geschenkt. Für einen zufälligen Klick aus dem Ausland sind sie verloren. Genau diese Unterscheidung fehlt in fast jedem Angebot, das ich zu sehen bekomme.
Und die Rechnung hat eine unangenehme Seite: Sie funktioniert nur nach oben, wenn der Film gesehen wird. Im unteren Viertel des Korpus — 86 Aufrufe — kostet derselbe Film 69,77 Euro pro Zuschauer. In den untersten zehn Prozent sind es über zweihundert.
Was hat Sie ein Zuschauer gekostet?
Zwei Angaben, beide kennen Sie: was der Film gekostet hat und wie viele Aufrufe unter dem Video stehen. Der Rechner stellt Ihren Film in die Verteilung aller 1.862 gemessenen Erklärvideos. Es wird nichts gespeichert und nichts gesendet — die Rechnung läuft in Ihrem Browser.
Welche Branche wie weit kommt
Teilt man den Korpus nach der Branche auf, aus der die Suchanfrage kam, entsteht eine Rangfolge, die sich mit einem Satz zusammenfassen lässt: Je unsichtbarer der Vorgang im Alltag, desto mehr Aufmerksamkeit bekommt der Film, der ihn zeigt.
Vorn steht die Medizintechnik: Was in einem Körper, einem Labor oder einer Maschine passiert, kann niemand von außen sehen — ein Film ist dort die einzige Möglichkeit, es zu zeigen. Hinten stehen Energie, Finanzen und Beratung. Nicht weil ihre Arbeit weniger wert wäre, sondern weil sie keine sichtbare Oberfläche hat: Ein Film über einen Beratungsprozess zeigt Menschen, die reden — und das kann man sich vorstellen, ohne es anzusehen.
Für die Praxis heißt das: Bevor Sie Geld ausgeben, prüfen Sie, ob Sie etwas Unsichtbares sichtbar machen. Wenn ja, ist ein Erklärvideo fast immer die richtige Ausgabe. Wenn nein — wenn Ihr Film am Ende Menschen in einem Besprechungsraum zeigt — sparen Sie das Geld und stecken Sie es in etwas, das man nicht schon kennt.
Drei Vermutungen, zwei davon falsch
Vor der Auswertung hatte ich drei Vermutungen notiert. Zwei haben die Daten kassiert.
Was ich aus 1.862 Filmen mitnehme
Wenn der Fehler vor der Produktion liegt, hilft eine billigere Produktion nicht. Ein Film, den niemand sucht, bleibt ungesehen — ob er 2.000 oder 10.000 Euro gekostet hat.
Die vierte Entscheidung — und meine Offenlegung dazu
Die vierte betrifft die Menge. In dieser Erhebung ist der mediane Film 4,6 Jahre alt, fast die Hälfte älter als fünf Jahre. Das heißt: Firmen bestellen einen Erklärfilm, laden ihn hoch und lassen ihn dort stehen, bis das Produkt selbst veraltet ist. Ein Film, ein Versuch, keine Korrektur.
Hier gehört die Offenlegung hin, weil das mein Geschäft ist: Der wirtschaftliche Vorteil von KI-Produktion liegt nicht im ersten Film, sondern im fünften. Klassisch kostet jede weitere Fassung einen weiteren Drehtag oder eine weitere Animationsrunde. Sind Look, Figuren und Aufbau einmal festgelegt, ist die nächste Variante eine Frage von Stunden. Damit wird bezahlbar, was in jedem anderen Kanal Standard ist: ausprobieren, messen, ersetzen.
Und die Grenze dazu, damit sie vorher steht: Was es wirklich gibt, sollte man filmen. Ihre Maschine, Ihr Handgriff, Ihr Material, Ihre Leute. Ein generiertes Produkt ist keine Produktdemonstration. Wo etwas Reales existiert, ist die Kamera billiger und ehrlicher als jede Zeichnung — das sagen in diesem Text auch die Daten, nicht nur ich.
Ihr Film gegen diese 1.862 — kostenlos
Schicken Sie mir den Link zu Ihrem Erklärvideo, oder, wenn es noch keines gibt, das Produkt, das erklärt werden soll. Sie bekommen eine Seite mit drei Dingen: wo Ihr Film in der Verteilung dieser 1.862 steht, an welcher Stelle die Aufmerksamkeit verloren geht — Länge, Kanal, Titel, Produktseite —, und ein konkreter Vorschlag mit Preis, kein Angebotsgespräch. Wenn daraus nichts wird, behalten Sie die Analyse.
Film prüfen lassen →Erklärvideo — die Fragen, die vor dem Angebot kommen sollten.
Was ist ein Erklärvideo?
Ein Erklärvideo zeigt in kurzer Form, wie ein Produkt, eine Dienstleistung oder ein Vorgang funktioniert. Es unterscheidet sich vom Imagefilm dadurch, dass es nicht das Unternehmen darstellt, sondern eine Sache verständlich macht — und von der Werbung dadurch, dass es erklärt statt auffordert. In dieser Erhebung dauert der mittlere deutsche Erklärfilm 2:11 Minuten und liegt auf einem Kanal mit 380 Abonnenten.
Wie viele Aufrufe sind für ein Erklärvideo normal?
468 Aufrufe. Das ist der Median aus 1.862 deutschen Erklär- und Produktvideos, gemessen am 15. August 2026. 60,5 Prozent bleiben unter 1.000 Aufrufen, 27,3 Prozent unter 100. Die oberen zehn Prozent der Filme halten 87 Prozent aller Aufrufe — es gibt also keinen typischen Fall, sondern sehr wenige sichtbare und sehr viele unsichtbare Filme.
Was kostet ein Erklärvideo?
Deutsche Agenturen listen für einfache oder KI-gestützte Erklärvideos etwa 2.000 Euro, für professionelle Produktionen mit eigenem Illustrationsstil 5.000 bis 10.000 Euro. Das sind gelistete Preise, keine amtliche Statistik. Interessanter als der Preis ist der Preis je Zuschauer: Beim Median von 468 Aufrufen kostet ein Zuschauer bei 6.000 Euro Budget 12,82 Euro, im unteren Viertel des Korpus 69,77 Euro.
Wie lang sollte ein Erklärvideo sein?
Nicht 90 Sekunden. Das ist der auffälligste Befund dieser Erhebung: Filme zwischen 60 und 90 Sekunden haben mit 185 Aufrufen den niedrigsten Median im gesamten Korpus. Unter 60 Sekunden sind es 516, zwischen zwei und drei Minuten 496, über fünf Minuten 2.223. Länge verursacht keine Aufrufe — aber wer fünf Minuten füllen kann, hat meist etwas zu zeigen, das man sonst nicht sieht. Die Regel lautet deshalb nicht kurz, sondern: so lang, wie es etwas zu zeigen gibt.
Erklärvideo als Animation oder als echter Produktfilm?
Die Daten sprechen für den Produktfilm. Filme, die ein reales Produkt, eine Anwendung oder eine Montage zeigen, haben im Median 528 Aufrufe; Animationen und gezeichnete Erklärfilme 260. Die teurere Gattung ist damit die schwächere. Animation lohnt sich dort, wo es nichts zu filmen gibt — bei Software, Abläufen, Versicherungen oder dem Inneren einer Maschine.
Wer sollte das Erklärvideo veröffentlichen — wir oder die Agentur?
Sie selbst. Liegt der Film auf dem Kanal des Unternehmens, hat er im Median 620 Aufrufe; liegt er nur auf dem Kanal der Produktionsfirma, sind es 196. Das ist der Faktor 3,2 bei identischen Produktionskosten. Ein Viertel aller Filme im Korpus liegt ausschließlich beim Dienstleister — das ist Reichweite, für die bezahlt wurde und die niemand abholt.
Lohnt sich ein Erklärvideo überhaupt noch?
Als einzelner Film, hochgeladen und sich selbst überlassen: meistens nicht. Als Werkzeug im Vertrieb, im Support, auf der Produktseite oder am Messestand: ja, aber dann zählen YouTube-Aufrufe gar nicht die richtige Sache. Diese Erhebung misst freiwillige Aufmerksamkeit auf YouTube. Wenn Ihr Film in Angeboten, E-Mails und Gesprächen läuft, steht sein eigentlicher Wert hier nicht drin — und dann sollte man ihn auch nicht nach Aufrufen bewerten.
Schrumpft der Markt für Erklärvideos?
Nein. Rechnet man die Aufrufe auf die Zeit online um, sammelt ein Film aus 2026 im Median 262 Aufrufe pro Jahr — mehr als in jedem Jahr davor. Zwischen 2014 und 2025 schwankt der Wert zwischen 41 und 173, ohne Trend nach unten. Die eigene Vermutung, dass die Gattung ausläuft, halten die Daten nicht.
Wie wurden diese Zahlen erhoben?
Über 312 deutschsprachige Suchanfragen wurden am 15. August 2026 alle öffentlichen YouTube-Filme erfasst, die sich in Titel oder Beschreibung selbst als Erklärvideo, Erklärfilm, Produktvideo, Animationsvideo, Schulungsvideo oder Anwendungsfilm bezeichnen. Aus 12.947 Rohtreffern blieben nach Abzug von Ratgebern, Showreels, Sendern, Behörden, Bildungskanälen und Kanälen ab 20.000 Abonnenten 1.862 Filme auf 1.084 Kanälen. Erhoben wurden Aufrufe, Länge, Likes, Abonnentenzahl und Veröffentlichungsdatum. Werkzeug: yt-dlp, ohne API-Schlüssel — die Erhebung ist wiederholbar. Gemessen ist nur YouTube.