der letzte sommer vor dem krieg
ein traum, den ich seit meinem zwölften lebensjahr mit mir trug
diese reise hatte einen langen anlauf. als kind waren wir als familie viel unterwegs, und irgendwo auf diesen straßen habe ich mich in zwei dinge zugleich verliebt — ans reisen und ans kino. mit etwa zwölf stieß ich auf die imdb top 250 und machte ein ritual daraus: ein, zwei filme am tag und ein notizbuch, in das ich schrieb, was mich jeder einzelne gelehrt hatte. genau da begann eigentlich der wunsch, selbst filme zu machen.
später begann ich, richtig zu filmen — erst nur mein eigenes leben, die kleinen momente, dann steckte ich mein eigenes geld in echte filme. das hatte seinen preis. am tag, nachdem ich meinen ersten fertig hatte, konnte ich die miete nicht zahlen und musste ausziehen; einen ganzen tag saß ich mit einem koffer in einem einkaufszentrum, ohne zu wissen, wohin, bis freunde mich bei sich aufnahmen. ungefähr damals fing ich an zu malen — noch ein weg, die kreativität herauszulassen.
ein traum kam immer wieder: sich einen bus zu holen, ihn zu einem zuhause auf rädern auszubauen und einfach loszufahren. ein halbes jahr lang plante ich es — sparte, lieh mir geld, baute den camper selbst aus einem alten reparaturbus. dann, drei tage bevor wir losfahren sollten, sprang das ganze team ab, mit dem ich reisen wollte. alles war bereit und es war niemand da, um mitzufahren — bis, im allerletzten moment, mein vater anbot, zu fahren.
also fuhren wir los, wir beide. die idee im kern des films war einfach: zehn große leinwände und zehn kleinere kaufen und malen, wo immer wir landeten — wohin uns, wie wir sagten, gott trug. ich bin kein maler, aber an jedem halt versuchte ich, ein kleines stück von mir auf der leinwand zu lassen und den ort den rest tun zu lassen. ich war damals gerade mit meiner freundin zusammengekommen; ihre eltern ließen sie mitkommen, und sie stieß an tag 11 zu uns — am ende waren wir also zu dritt. 15 tage, ~3,500km, rund 10 orte. es ist bis heute einer meiner liebsten abschnitte meines ganzen lebens.

wir wussten es damals nicht, aber es war der letzte sommer vor dem krieg — einige der orte, die wir gefilmt haben, sind heute besetztes gebiet, und aus einem roadtrip-film wurde, ganz ungewollt, ein archiv. es war auch kein tagebuch aus dem autofenster: wir schrieben ein komplettes drehbuch, ließen es von dem sprecher einsprechen, der in der Ukraine offiziell die stimme von Netflix ist, und unterlegten es mit eigener musik. 10+ stunden material kamen aus diesen 15 tagen zusammen — im schnitt lebt der film gerade.
das video, bisher
ein ausschnitt aus der reise ist schon online — der rest steckt noch im schnitt.
der vollständige schnitt ist in arbeit — der komplette case folgt. ← zurück zur arbeit